Das glücklose Leben des Gustav Bauer

Das Grab des ersten deutschen Reichskanzlers der Weimarer Republik liegt in Glienicke

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Gustav Bauer Foto: wikimedia

Glienicke/Hermsdorf – Gustav Bauer war noch kein ganzes Jahr im Amt, als er aus der Hauptstadt fliehen musste. Zehn Monate zuvor nach dem Rücktritt seines Vorgängers Philipp Scheidemann, der sich weigerte, den Versailler Vertrag zu unterzeichnen, war der SPD-Politiker Gustav Bauer im Juni 1919 Ministerpräsident und nach Inkrafttreten die Weimarer Verfassung am 14. August 1919 der erste Reichskanzler geworden.

Zur Zeit seiner Geburt vor 150 Jahren am 6. Januar 1870 in Ostpreußen, gab es noch nicht einmal das deutsche Kaiserreich, das erst ein Jahr später gegründet wurde. Und dass er, Sohn eines Gerichtsvollziehers einer kleinen Stadt im heutigen Kaliningrad, einmal deutscher Regierungschef, gar einer Republik, werden sollte, war damals unvorstellbar.

Im Alter von 18 Jahren erlitt Gustav Bauer einen herben Schicksalsschlag: durch eine schwere Erkrankung musste ihm ein Bein amputiert werden. In Berlin arbeitete er bei einem bekannten Strafverteidiger, bis dieser 1895 wegen hoher Schulden mit seiner Geliebten nach Paris floh.

Bauer war Gründungsmitglied und Vorsitzender des Zentralvereins der Büroangestellten Deutschlands und Redakteur der Verbandszeitschrift „Der Büro-Angestellte“. Er machte im Gewerkschaftsbund Karriere und zog 1912 für die SPD in den Reichstag. Nach dem ersten Weltkrieg war er im Kabinett Scheidemann Arbeitsminister, bis er schließlich Kanzler wurde.

Als beim Kapp-Putsch die Truppen der rechten Aufrührer am 12. März 1920 auf die Hauptstadt zumarschierten, war allen bewusst, wie heikel ein militärischer Gegenschlag wäre, denn es hieß: „Truppe schießt nicht auf Truppe“. Um ein Blutbad zu verhindern, machte sich die Regierung, einschließlich des Reichspräsidenten Friedrich Ebert, zunächst auf den Weg nach Dresden, wo die Lage aber auch nicht ganz sicher schien. Also begab man sich nach Stuttgart, um von dort aus Order zu geben. Durch den großen Generalstreik, zu dem die Regierung aufgerufen hatte, musste der selbst ernannte Kanzler Kapp nach nur fünf Tagen aufgeben. Bauer dankte der deutschen Arbeiterschaft, „an deren Widerstand das Abenteuer zerschellt ist.“

Lange konnte sich der glücklose Regierungschef nicht mehr im Amt halten. Nach dem Putschversuch verlor die SPD das Vertrauen in die Führungsqualitäten des ohnehin nicht sehr populären Politikers. Im Kabinett seines Nachfolgers Hermann Müller übernahm er dann den Posten des Reichsschatzministers.

Wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit wurde er 1925 aus der Partei ausgeschlossen. Der Beschluss wurde aber ein Jahr später aufgehoben und Gustav Bauer konnte sein Reichstagsmandat wieder aufnehmen. 1928 zog er sich aus der Politik zurück und wurde Geschäftsführer einer Wohnungsbaugenossenschaft.

Wegen angeblicher Veruntreuung von Steuergeldern wurde er 1933 verhaftet. Die Anklage behauptete, sein Sohn habe sich in der Schule entsprechend geäußert. Da Bauers Ehe mit Hedwig Moos aber kinderlos geblieben war, fielen diese haltlosen Anschuldigungen in sich zusammen.

Ab 1940 lebte er zurückgezogen in Glienicke und starb in Hermsdorf im Krankenhaus als Patient dritter Klasse. Sein Grab liegt auf dem Friedhof in Glienicke. Erst 1999 wurde auf Betreiben eines Enkels von Friedrich Ebert ein Grabstein aufgestellt.

Boris Dammer

Foto: Dammer