Baumkiller: Hitze und Stürme

Interview mit Revierförster Frank Mosch

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Frank Mosch / Foto: fle

Tegel – Seit 2009 ist Frank Mosch Revierförster in der Försterei Tegelsee. Er ist verantwortlich für rund 720 Hektar Mischwald – und steht vor großen Herausforderungen. Die RAZ sprach mit ihm.

Die Trockenheit von 2018, 2019 und auch in diesem Jahr setzt den Bäumen sehr zu. Wie macht sich das bemerkbar?

Ich erkläre es anhand eines Beispiels: Normalerweise würde sich eine Kiefer vor Käfern wehren, indem sie Harze ausstößt, diese darin einkapselt und unschädlich macht. Doch das schafft ein zu trockener Baum nicht. Unser Mischwald ist weniger anfällig, dennoch geschieht das Baumsterben auch hier und betrifft nicht nur Kiefern, sondern auch Eichen und Buchen. Vor allem die 140 Jahre alten Eichen sind schon seit Jahren zusätzlich durch die Absenkung des Grundwassers durch Förderung von Trinkwasser erheblich unter Druck – und sterben teilweise ab. Da blutet einem das Herz. Es gibt auch verschiedene Anzeichen für den schleichenden Tod. Die Bäume stressvermehren sich, bevor sie absterben. Das ist so ein Aufbäumen in der letzten Sekunde. So hat es 2018 eine große Anzahl an Eicheln gegeben und 2019 große Mengen an Bucheckern. Ein Zeichen, das man nicht übersehen kann.

Machen Ihnen auch die Stürme zu schaffen?

Ja, es gibt immer mehr Stürme im Sommer und in den Herbstmonaten. Die Bäume sind zu dieser Jahreszeit aufgrund ihrer vollen Laubkronen besonders anfällig. Leider verlieren wir auf diese Weise unzählige gesunde Bäume – das ist extrem bitter. Ein weiteres Problem ist, dass wir das Holz durch den schlechten Holzabsatz derzeit schwer verkaufen können. Das betrifft die vom Sturm entwurzelten Bäume ebenso wie den jährlichen Holzeinschlag. So führen wir nun schon im zweiten Jahr keinen großen Holzeinschlag durch.

Pflanzen Sie nach?

Ja, das tun wir, aber nur in geringem Umfang. Wir sind zertifiziert nach FSC und Naturland und haben strikte Vorgaben, nur einheimische Baum- und Straucharten zu pflanzen. Im Dezember wurden aus Spenden des Waldgottesdienstes der Heiligenseer Gemeinden Eiben, Baumhasel, Speierling, Vogelkirsche und Elsbeere gepflanzt. Im Bereich der Försterei Tegelsee kommt der Wald der potentiellen natürlichen Waldgesellschaft schon sehr nahe! Daher setzen wir ansonsten auf natürliche Verjüngung der vorhandenen Bäume. Das stärkt den Mischwald, und auf diese Weise ist der Wald vom ökologischen Aspekt her risikobreit aufgestellt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Christiane Flechtner