Pädagoge auf vier Pfoten

Wuscheliger Vierbeiner sorgt für einen niedrigeren Stresslevel

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Hund
Schulhund Azura hat ausnahmsweise mal die Lehrerperspektive einnehmen dürfen. Foto: dsd

Reinickendorf – „Seid jetzt leise. Azura hat empfindliche Ohren“, stellt sich ein Zweitklässler, der sonst sehr schüchtern ist, vor seine Klasse. Azura ist zwei Jahre alt – ein italienscher Wasserhund, der zweimal die Woche mit seinem Frauchen Mandy Kästner in die Hausotter-Grundschule geht. Die Lehrerin hat im August 2018 ganz bewusst bei ihrem Wechsel von Sachsen-Anhalt nach Berlin Ausschau nach einer Grundschule gehalten, an der sie ihre seit 2009 durchgeführte Arbeit der tiergestützten Pädagogik weiterführen kann.

„Die Schüler stehen an diesen Tag viel lieber auf, weil sie den Hund sehen“, erklärt die Pädagogin. „Die Klasse hat gemeinsam Regeln erarbeitet und alle halten sich dran, damit es dem Hund gut geht.“ Die Kinder achten viel mehr auf Ordnung und Sauberkeit, damit Azura nicht vom Boden isst. Gerade bei Kindern, die unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden, kann Tierpädagogik entscheidend helfen, denn ein Tier geht unvoreingenommen auf ein anderes Lebewesen zu und das Kind kann einfach so sein, wie es ist.

Kinder lernen für Azura

Manchmal läuft Azura gezielt zu einem Kind, er hat ein feines Gespür dafür, wenn es einem Kind nicht gut geht oder es unruhig ist. „In den ersten Schuljahren lernen die Kinder oft für den Lehrer, in meiner Klasse kommt in vielen Bereichen Azura vor“, erklärt Mandy Kästner, warum die Kinder sogar Gedichte für den Hund schreiben und eigenständig eine Geburtstagsfeier für den Schulhund organisiert haben. Auch die Eltern kommen oft bis in den Klassenraum, um dem Hund Leckereien mitzubringen. Das Verantwortungsbewusstsein wird gesteigert, wenn die Kinder eine Runde Gassi gehen dürfen und auch stolz das Häufchen aufsammeln.

„Azura selber musste sich erst einer Eignungsprüfung unterziehen, bevor sie im Therapie- und Ausbildungszentrum in Sachsen-Anhalt ausgebildet wurde, um auch mit der Nähe zu Kindern umzugehen“, erklärt die Lehrerin weiter, warum sich Azura in Stresssituationen zurückzieht und auch unterwirft. Durch das Streicheln des weichen Fells und das Fühlen der Wärme eines Tiers erleben Kinder ein wohliges Gefühl von Geborgenheit. Die Kosten für die jährliche Wesensüberprüfung übernimmt die Lehrerin alleine, da ihr die Vorteile der tiergestützten Pädagogik sehr wichtig sind: „Es wird nicht nur eine besondere Gruppendynamik erreicht sondern auch ein besonderer Zusammenhalt in der Klasse gefördert und die Kinder lernen besser.“

dsd