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Dienstag, 18. Januar 2022
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Fern und doch ganz nah

Fern und doch ganz nah
Trainer Martin Bernstein vom TSV Wittenau zeigt am Set für den rbb Übungen mit einfachen Haushaltsgegenständen als Hantelersatz. Foto: dsd

Wittenau – „Wie können wir den Mitgliedern einen neuen Benefit geben, damit sie uns nah sind, obwohl wir uns von ihnen fernhalten müssen?“, fragte sich der Vorstand des TSV Wittenau, als der Senat am 14. März den Sport- und Trainingsbetrieb in allen Berliner Vereinen untersagte. Elke Duda, hauptamtlicher Vorstand des rund 3.500 Mitglieder umfassenden Vereins, überlegte nicht lange: „Wir müssen Sport-Video-Einheiten über das Fernsehen anbieten, denn unsere fast 1.500 Senioren sind nicht im Internet unterwegs.“

Bedingt durch ihre langjährige Erfahrung in verschiedenen Vereinen konnte sie aufgrund ihrer guten Vernetzung den TSV Spandau, Pro Sport 24 und dem SC Siemensstadt für ihre Idee gewinnen. Über die Agentur Wirkhaus.berlin GmbH, die sich als Kommunikationsspezialist für Projekte mit sozialer Relevanz im Sport spezialisiert hat, gelang recht schnell der Kontakt zum rbb. „Der Landessportbund steht dabei fantastisch auf unserer Seite, und wir finden es großartig, dass die Abteilungsleiter sogar auf zehn Prozent ihres Gehaltes für ein Hilfsprojekt zu Gunsten der freiberuflichen Trainer verzichten“, schwärmt die 54-jährige Wittenauerin.

Gerade im Gesundheitssport verdienen viele Trainer ausschließlich mit Kursen in Vereinen ihren Lebensunterhalt, was durch die Stilllegung des Vereinssports gravierende Einbußen bis Existenznöte bedeutet. Um den vielen Übungsleitern ein neues, kleines Honorar zu bieten, werden jetzt täglich vier bis fünf Sequenzen von Allroundfitness bis Yoga unter dem Titel „move at home“ im Haus des LSB gedreht, die auf der Homepage des TSV Wittenau und natürlich auf Facebook und Youtube zu sehen sind. Auf rbb24.de werden zweimal täglich – um 9.30 und 14.00 Uhr – Bewegungsangebote live ins „Wohnzimmer“ gestreamt.

Zusätzlich startete am 28. März „rbb macht fitness“ –eine Sporteinheit um 7.45 Uhr im linearen Fernsehen. Geplant sind auch gemeinsame Mitmachaktionen und Challenges zwischen Vereinen, aber auch zwischen anderen Institutionen.

„In allen unseren 20 Abteilungen haben sich die Trainer neue Aktionen ausgedacht, teilweise gibt es Hausaufgaben und vom Judo-Trainer kleine Videos. Und für unsere Milchzahn-Athleten Märchen und Bastel-online-workshops“, freut sich Duda über das breite Engagement. „Sport ist mein Leben“, und so hofft sie, dass die Philosophie des Vereins, nicht nur gemeinsam Sport zu machen, sondern sich auch außerhalb des Sportes zu treffen, schnell wieder jenseits der virtuellen Sportwelt möglich ist. dsd

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