„Unser Trinkwasser in Berlin hat beste Qualität“

Interview mit Jörg Simon, seit 21 Jahren Chef der Berliner Wasserbetriebe

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Jörg Simon Foto: bwb

Seit 1999 ist Jörg Simon Chef der Berliner Wasserbetriebe. Damals hievte der private Miteigentümer Veolia Simon auf diesen Posten. Seit 2013 gehören die Wasserbetriebe zu 100 Prozent wieder der Stadt Berlin. Simon blieb. Heute steht er einem Unternehmen mit 4.400 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 1,1 Milliarden Euro vor.

Was tun die Berliner Wasserbetriebe gegen den Klimawandel?

Berlin hat viel Wasser und viel Grün. 25 Prozent der Fläche Berlins sind Wasserschutzgebiete, also Flächen, die wir so pflegen und hegen, dass dort Wasser gefördert werden kann. Diese Flächen sind ein unglaubliches Potenzial für das Klima in der Stadt. Auch das Regenwassermanagement ist ein Zukunfts- und Klimathema. Wie bekommt man die Stadt so aufgebaut, dass sie „resilient“ ist? Das heißt, dass das Regenwasser da versickert oder verdunstet, wo es niederfällt und nicht ausschließlich über das zentrale System kanalisiert wird. Ein weiterer Aspekt: Wo geht es hin mit der Trinkwasserversorgung, was Menge, was Qualität angeht? An diesem Thema arbeiten wir intensiv und stellen unser Unternehmen zukunftsfähig auf.

Was kann jeder Einzelne tun?

Grundsätzlich hat unser Trinkwasser in Berlin beste Qualität. Ich möchte jeden ermutigen, Leitungswasser zu trinken. Das Wasser hat eine unheimlich gute Umweltbilanz. Die CO2-Bilanz von gefördertem Leitungswasser ist wesentlich besser als die von Mineralwasser in Flaschen, die über weite Strecken transportiert werden müssen. Von daher: Leitungswasser trinken, trinken, trinken!

Die Wasserbetriebe stellen auch öffentliche Trinkwasserbrunnen auf. Wie sind Ihre Planungen dazu?

Wir haben mittlerweile 120 in Berlin, die zwischen April und Oktober öffentlich zugänglich sind. Die Stadt hat Gelder für weitere 100 Trinkbrunnen eingeplant. In Reinickendorf haben wir zurzeit drei solche Brunnen am Schäfersee, auf dem Rathausvorplatz und in der Gorkistraße. In diesem Jahr sollen aber weitere am Zeltinger Platz, am Senftenberger Ring sowie an den U-Bahnhöfen Residenzstraße und Wittenau dazukommen.

Welche Großprojekte planen Sie für dieses Jahrzehnt?

Wir investieren pro Jahr etwa 400 Mio Euro. Davon geht ein Großteil in die Sanierung und Erweiterung der Netze. Darüber hinaus bauen wir unsere Kläranlagen aus. Da geht es um Phosphor und Stickstoff, deren Werte weiter reduziert werden müssen. Es geht auch um bestimmte Spurenstoffe, z. B. Medikamentenrückstände, die im Augenblick von den Kläranlagen noch nicht komplett entfernt werden. Und wir planen den Bau einer zweiten Klärschlammverwertungsanlage. Bisher verbrennen wir etwa die Hälfte unseres Klärschlamms selbst, nachdem wir daraus Biogas gewonnen haben, die andere Hälfte wird extern verwertet. Wir werden perspektivisch alles selbst verbrennen und so Energie erzeugen. Dafür planen wir eine neue Anlage unweit des Flughafens BER in Waßmannsdorf.

Wie wichtig ist Reinickendorf für die Berliner Wasserbetriebe?

In Tegel ist eines unserer größten Wasserwerke, und die Oberflächenaufbereitungsanlage (OWA) reinigt den Tegeler See. Dieser See hat mittlerweile wieder eine Sichttiefe von mehr als drei Metern. Das verdanken wir der OWA, die den Algendünger Phosphor fast vollständig eliminiert. Sie ist damit eine vierte Reinigungsstufe unseres Klärwerkes Schönerlinde in Brandenburg, dessen Klarwasser über den Nordgraben zum Tegeler See fließt.

Sie wohnen mit Ihrer Familie in Frohnau und sind dort sportlich aktiv. Sie spielen Tennis und joggen intensiv. Wie viel Wasser trinken Sie pro Tag?

Jeden Tag etwa 1,5 bis 2 Liter, und natürlich unser Leitungswasser.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Bertram Schwarz