Keine BER-Witze mehr

TXL soll 2020 schließen – Bürgermeister Müller auf Besuchstour

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Bezirk – So langsam macht sich Zuversicht breit. Als der Regierende Bürgermeister Michael Müller mit etlichen Senatoren dem Bezirk Reinickendorf einen Besuch abstattet, schaut er sich auch die Planungen für die Nachnutzung des Flughafens Tegel an. Keine BER-Witze sind zu hören, alle wollen fest daran glauben, dass der neue Flughafen im Südosten der Stadt zum 31. Oktober 2020 seinen Betrieb aufnimmt und von Tegel am 8. November 2020 der letzte Flieger aufsteigt. Danach muss der Flughafen noch sechs Monate betriebsbereit gehalten werden, bis dann im Mai 2021 die Bagger kommen und das 500 Hektar große Gelände zum größten Zukunftsprojekt Berlins umbauen sollen.

Der Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH, Philipp Boutellier, gerät im nüchternen Konferenzraum des militärischen Teils des Flughafens vor der Regierungsriege aus dem roten Rathaus und vor Bezirksbürgermeister Frank Balzer ins Schwärmen. Von „schierer Fläche“, „einmaligem Geschenk“ und „glückhafter Festlegung“ spricht er. In seiner neuen City mit Start-ups, Hochschule und modernsten Wohnvierteln für 10.000 Menschen soll die „Versöhnung zwischen Stadt und Natur“ gelingen.

Den militärischen Flughafen mit den Fliegern der Bundesregierung kennt Müller gut. Beim Kurz-Interview mit der RAZ fällt ihm Tegel auch als erstes ein, als er nach seinen Erlebnissen im Bezirk Reinickendorf gefragt wird: „Hier bin ich oft als Bundesratspräsident abgeflogen.“ Besonders schön seien aber die Erinnerungen an den Kleingarten seiner Eltern am Heiligensee. Im Garten habe er weniger geholfen, er sei mehr mit dem Schlauchboot unterwegs gewesen. Als drittes nennt er Pater Peter Vincenz, der Seelsorger im Gefängnis Tegel war: „Ein toller Typ.“

Zuvor waren die Besucher aus Berlin-Mitte bei der Firma Korsch, die in Reinickendorf Maschinen zur Verpackung von Tabletten herstellt. Alle zeigen sich beeindruckt von diesem „Hidden Champion“, der auf seinem Gebiet als Weltmarktführer gilt. Zum Abschluss geht es auf dieser Bezirks-Tour nach Wittenau, wo die U-Bahn Linie 8 seit langem darauf wartet, bis in das Märkische Viertel verlängert zu werden. Unten am Bahnsteig erklärt der Leiter der Bauabteilung, Uwe Kutscher, drei Versionen. Er plädiert für die mittlere Variante mit zwei Bahnhöfen und einer Länge von 1,2 Kilometern. Damit könne das Märkische Viertel „gut erschlossen“ werden.

Der Regierende Bürgermeister versucht ihn mit den Worten aufzumuntern, dass dann ja in zwei Jahren alles fertig sein könne. Kutscher lächelt dünn und sieht eine Eröffnung frühestens in sechs Jahren, „wenn alles gut läuft“. Wie schwierig sich der Umgang mit dem öffentlichen Nahverkehr in der Politik gestaltet, zeigt sich auch mit der Absage, die Tarifzonen AB auf die benachbarten S-Bahnstationen in Brandenburg auszudehnen. Damit wird wieder die Chance vertan, Pendler aus dem Stadtrand jenseits der Landesgrenze von der S-Bahn zu überzeugen.

Ein Spaziergang auf dem Wilhelmsruher Damm führt die Menschentraube rund um die Politiker oberirdisch zum bisherigen Endpunkt der U8 auf dem Weg ins Märkische Viertel. Hier nutzen die beiden Bürgermeisterkollegen Müller (SPD) und Balzer (CDU) die Gelegenheit zu einem vertraulichen Gespräch. Sie gehen dabei versehentlich auf dem Radweg. Als ein Fahrradfahrer von vorn kommt, nimmt Balzer seine Fürsorgepflicht im Bezirk wahr. Er warnt Müller und mahnt die anderen Begleiter, Platz zu machen. Zum Abschluss reicht ihm Müller die Hand und sagt knapp: „Danke, war gut.“ bs

Seite an Seite in Reinickendorf – der Regierende und der Bezirksbürgermeister Foto: bs