Der Bezirk feiert 100. Geburtstag

Neujahrs-Interview mit dem Reinickendorfer Bezirksbürgermeister Frank Balzer

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Frank Balzer (Bild: Christiane Flechtner)
Frank Balzer (Bild: Christiane Flechtner)

Bezirk – Wie ist 2019 in Reinickendorf verlaufen? Was bringt das neue Jahr? Über Vergangenes und Höhepunkt des Jahres 2020 sprach die RAZ mit Bezirksbürgermeister Frank Balzer.

Was war positiv im Bezirk 2019? Welche Schwierigkeiten gab es?

Ich denke, es war ein gutes Jahr für den Bezirk Reinickendorf. Vor allem die Tatsache, dass es dem Bezirksamt und den Bezirksverordneten zum vierten Mal in Folge gelungen ist, einstimmig einen ausgeglichenen Doppelhaushalt zu beschließen, spricht für die gute Arbeit, die in Verwaltung und in den Fraktionen geleistet wird.

Dieses solide Wirtschaften und konstruktive Miteinander ermöglicht es uns, die gute bezirkliche Infrastruktur für die Kinder- und Jugendarbeit, in den zahlreichen Sport- und Seniorenfreizeitstätten aufrechtzuerhalten und punktuell sogar auszubauen. Erfreulich ist auch, dass die BVG für ihr Pilotprojekt eines autonom fahrenden Busses im öffentlichen Straßenland den Ortsteil Tegel auserkoren hat.

Gerade wurde der für Fahrgäste kostenlose Probebetrieb zwischen U-Bahnhof und Greenwichpromenade übers Jahresende hinaus verlängert.

Enttäuschend war im zurückliegenden Jahr, dass wir in der Zusammenarbeit mit dem Senat weder beim Schulneubau, der Verwaltungsreform noch beim U-Bahn-Ausbau ins MV entscheidend vorangekommen sind. Zumindest bei letzterem aber gibt es nun wenigstens positive Zeichen.

Was steht 2020 im Mittelpunkt des Fuchsbezirks? Welche Probleme wollen Sie angehen, welche Projekte voranbringen?

Drei Ereignisse stehen aus meiner Sicht im Fokus: Der Bezirk Reinickendorf feiert sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass lade ich schon jetzt alle Reinickendorferinnen und Reinickendorfer zu unserem Bürgerfest am Rathaus vom 21. bis 23. Mai ein. Wir alle dürfen uns auf ein attraktives Bühnen- und Kinderprogramm freuen. Ein weiterer Höhepunkt wird ganz sicher der Tag der Bundeswehr am 13. und 14. Juni an der Greenwichpromenade sein. Erstmals findet in Berlin eine solche Veranstaltung außerhalb der Kasernentore statt, und ich freue mich, dass wir als Bezirk Gastgeber und Partner sein dürfen. So werden wir die Gelegenheit nutzen, bezirkliche Hilfsorganisationen und verdienstvolle Vereine der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Und dann wäre da ja noch der BER: Sollte dieser tatsächlich im Herbst öffnen, wovon ich persönlich ausgehe, wird das Areal rund um den heutigen Airport Tegel zu einem wichtigen Standort für Wirtschaft, Wissenschaft und Wohnungsbau werden und sicher sehr positiv auf den gesamten Bezirk ausstrahlen.

Der Klimawandel ist in aller Munde. Was tut Reinickendorf konkret, um klimaneutral zu werden und mehr Umweltschutz zu betreiben?

Seit 1. Januar 2020 werden die bezirklichen Veranstaltungen klimafreundlicher. Sowohl bei internen Veranstaltungen als auch bei genehmigungspflichtigen öffentlichen Veranstaltungen, wie dem Tegeler Hafenfest, dürfen für die Verpflegung von Gästen nicht mehr Plastik, sondern nur noch wiederverwendbares Geschirr, Besteck und Mehrwegtrinkgefäße verwendet werden. Das Bezirksamt reagiert damit schon jetzt auf neue Vorgaben der Europäischen Union, die ihre Mitgliedsstaaten verpflichtet, bis Juli 2021 Maßnahmen zur Reduzierung von Einweg-Kunststoffartikeln zu ergreifen. Die Vorbildwirkung der Öffentlichen Hand bei der Reduzierung von Plastikabfall und Kohlendioxid-Emissionen ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum erklärten Ziel Berlins, bis 2050 klimaneutral zu sein. Um dies wirklich zu erreichen, muss jeder an seinem Platz weiter überlegen, was er tun und verbessern kann. Bei uns in Reinickendorf wird dieser Wandel längst gelebt. Ich erinnere beispielsweise an das Biomasse Heizkraftwerk Märkisches Viertel – seit 2014 ein Meilenstein auf dem Weg zum verstärkten Einsatz regenerativer Energien in Berlin. Etwa 30.000 Wohnungen, Industriebetriebe und öffentliche Einrichtungen werden umweltfreundlich und weitestgehend klimaneutral mit Warmwasser und Fernwärme versorgt. Bis zu 26.000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr werden so gespart.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2020?

Vor allem Frieden und Gesundheit wünsche ich mir und uns allen. Persönlich vorgenommen habe ich mir, etwas mehr Zeit für den Sport zu finden, um fit zu bleiben.

Danke für das Gespräch.

Interview Christiane Flechtner