Bonjour Fernsehturm, hallo Tour Eiffel!

Wie im Fluge – Vor 60 Jahren landete die erste zivile Air- France-Maschine in Tegel

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Tegel – Am 2. Januar 1960 begann die zivile Luftfahrt auf dem Flughafen Tegel mit der Aufnahme des Flugbetriebs durch Air France. Über vier Jahre lang blieb sie dort der einzige Anbieter mit täglichen Verbindungen nach Paris, Frankfurt, München und Düsseldorf.

Bis dahin hatte Air France zehn Jahre lang vom zentraler gelegenen Flughafen Tempelhof aus ihre Flüge betrieben. Mit dem Vorzeigeflughafen konnte das noch in den Startlöchern liegende Tegel damals natürlich nicht mithalten.

In der rekordverdächtigen Bauzeit von nur 90 Tagen wurde der Flughafen Tegel 1948 regelrecht aus dem Boden gestampft. Es stand dabei allerdings nur das Rollfeld im Fokus, die Gebäude waren damals eher Provisorien. Bis zu 19.000 Menschen, davon fast die Hälfte Frauen, wurden von der französischen Militärbehörde beschäftigt. Die Eile beim Bau war nötig, weil die Sowjetunion die Zugänge nach West-Berlin auf dem Land- und Wasserweg blockierte. Für die Luftbrücke, über die die West-Alliierten die Stadt mit Lebensmitteln und Brennstoff versorgten, reichte der Flughafen in Tempelhof allein nicht aus. Nach dem Ende der Blockade 1949 diente Tegel dann als Militärflughafen der Franzosen.

Im Herbst 1959 erwog die Air France, ihr neues Mittelstrecken-Düsenflugzeug Caravelle auch für Berlin-Verbindungen einzusetzen, dafür war es in Tempelhof allerdings zu eng. Wegen der längeren Landebahn wurde der Betrieb der Air France nach Tegel verlagert.

Caravelle versprach laut Eigenwerbung „schneller, bequemer und doch nicht teurer“ zu sein. Allerdings war die Maschine durch den Düsenantrieb deutlich lauter als die Vorgänger – sehr zur Freude der Schüler im direkt angrenzenden französischen Gymnasium, da bei jedem Start der Unterricht durch den Krach unterbrochen wurde. Lärmschutz für die Anwohner wurde erst mit den Jahren ein Thema für die Stadt.

Das Lokal „La Caravelle“ am Kurt-Schumacher-Damm erinnert mit seinem Namen an die französische Düsenmaschine. Der Empfangsbereich in Tegel war äußerst spärlich, 1964 wurde dann immerhin ein Restaurant eröffnet. Im selben Jahr bot die Pan American Airways dreimal in der Woche einen Linienflug über Glasgow nach New York an, blieb mit ihren anderen Strecken aber am alten Standort.

Die gesamte Flugtouristik wurde 1968 von Tempelhof verlagert. Um den stetig wachsenden Reiseverkehr bewältigen zu können, wurde bald ein größeres Terminal am neuen Airport benötigt. Das markante sechseckige Gebäude, das noch heute die Passagiere empfängt, wurde 1974 eröffnet. Im Jahr darauf wurde Tempelhof für den zivilen Luftverkehr geschlossen.

Während der deutschen Teilung war nur Fluggesellschaften aus den Vereinigten Staaten, Frankreich und England der Verkehr nach Westberlin erlaubt. Auch die Flugbesatzung hatte aus diesen Ländern zu stammen – diese Regelung wurde aber nicht immer streng eingehalten, denn teilweise waren auch Deutsche als Flugbegleiter mit an Bord. Erst mit der Wiedervereinigung 1990 war es der Lufthansa und weiteren internationalen Airlines möglich, Berlin anzusteuern.

Wenn der neue Großflughafen BER wie geplant im Oktober tatsächlich seinen Betrieb aufnimmt, wird TXL im November geschlossen. Die zivile Luftfahrt in Tegel wäre damit nach gut 60 Jahren Geschichte.

Boris Dammer

Foto: wikipedia/ Lothar Spurzem

Eine Caravelle (1963) auf dem Weg zum Flughafen Tegel