Achtsamkeit als Schlüssel des Lebens

Der Reinickendorfer Harald Wolf leitet seit vielen Jahren die Meditation im Buddhistischen Haus

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Der Reinickendorfer Harald Wolf leitet die Meditation im Buddhistischen Haus

Herr Wolf, wie ist es dazu gekommen?

Vor mehr als 30 Jahren habe ich ganz individuell mit dem Yoga angefangen. Damals stand für mich allerdings eher der sportliche Aspekt für mich im Vordergrund. Es ging dabei mehr ums Fit-Werden und Fit-Bleiben. Hier hatte ich das Glück, eine individuelle Ausbildung durch einen guten Freund zu erhalten, und dies dauerte rund fünf Jahre.

Wie ging es dann weiter?

Um das Ganze weiter zu verfeinern, stieg ich erstmals in die Meditation ein. Eine Empfehlung, zum Buddhistischen Haus in Frohnau zu gehen, brachte mich letztlich hierher. So schlug ich hier auf, setzte mich bei der Gruppenmeditation zum ersten Mal hin, und alles tat erst einmal furchtbar weh.

Trotz alledem sind Sie hiergeblieben. Warum?

Ich glaube, das hatte ein wenig mit dem Ehrgeiz zu tun, etwas zu überwinden. Ich wollte nicht einfach abbrechen, nur weil mir etwas wehtat. Nachdem der Schmerz überwunden war, bekam der Begriff der Stille für mich eine große Bedeutung. Und ich hätte auch problemlos länger sitzen können – das spielte gar keine Rolle mehr. So ging meine Entwicklung weiter voran – und mittlerweile leite ich die Meditationen im Buddhistischen Haus selbst.

Wer war im Buddhistischen Haus Ihr Lehrmeister?

Das war Panna Visuddhi. Er hat mir gute vier Jahre die vernünftigen Techniken beigebracht, also die Meditations- und Atemtechnik. Technik ist jedoch der falsche Ausdruck – das passt eher zum Yoga. Bei der Meditation würde ich es eher als Atembetrachtung beschreiben. Ich war im Schnitt zweimal pro Woche hier vor Ort.

Was bedeutet Ihnen die Meditation im Leben?

Mir verschafft die Meditation eine gewisse Nüchternheit, Stille, Achtsamkeit und Unabhängigkeit.

Was wäre ein Leben ohne Meditation für Sie?

Die Frage kann ich nicht beantworten, weil ich seit mehr als 30 Jahren nicht einen Tag ausgesetzt habe. Meditation ist immer und überall irgendwie möglich. Ich kann im Sitzen, im Liegen oder beim Laufen meditieren. Dabei geht es um eine besondere Aufmerksamkeit oder Achtsamkeit für mich und auch für mein Gegenüber. Und diese Achtsamkeit nimmt mit der Zeit zu – je länger man mit Meditation zu tun hat. Ich sitze eine Stunde – und dann habe ich aber pro Tag immer noch mindestens 15 Stunden übrig, in denen ich auch noch etwas Achtsames tun kann. Mache ich in dieser Zeit allerdings nichts Achtsames, dann hat man das Wesen der Meditation im buddhistischen Sinne überhaupt nicht verstanden.

Das heißt, das Wesen der Meditation im buddhistischen Sinn bedeutet also Achtsamkeit?

Ja, so ist es. Das bedeutet eigentlich Innenschau. Es ist wichtig, präsent zu sein in dem Moment, in dem ich gerade bin. Dabei entwickelt man eine aufrichtige Geisteshaltung – auch dem Gegenüber. Man entwickelt eine Empathie, die auch zunimmt. Der nächste Schritt ist dann, das Leiden zu erkennen, anzunehmen und gegenzusteuern.

Sind Sie denn auch Buddhist?

Auch diese Frage kann ich nicht beantworten. Fest steht, dass ich nach buddhistischen Grundsätzen lebe. Ich kann also meditieren und zu vielen tiefen Einsichten kommen, ohne Buddhist zu sein. Es ist hier eben anders als in der Kirche, wo man beispielsweise durch die Taufe oder Konfirmation einer Religion angehört. Es geht beim Buddhismus um Lebensanweisungen und Gebote, um Zusammenhänge, um Ursache und Wirkung. Aber es gibt nicht die Idee des Übernatürlichen, die Vorstellung einer Gottheit. Deshalb kann man hier auch nicht von einer Religion im eigentlichen Sinne sprechen. Und während andere Religionen eher gemeinsam als individuell gelebt werden, etwa in Gottesdiensten oder zentralen religiösen Handlungen, geht es im Buddhismus um eine religiöse Aktivität in persönlichen Handlungen – und das geht auch gut allein. Was zählt, ist einzig und allein die innere Arbeit, die nur jeder einzelne leisten kann.

Wenn jemand Interesse an der Meditation hat, kann er einfach dazu kommen?

Aber natürlich. Das Buddhistische Haus am Edelhofdamm 54 ist ein offenes Haus mit offenen Türen. Die Meditation beginnt jeden Samstag um 16 Uhr.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Christiane Flechtner