Bücherbox in Tegel eröffnet

Anschließend gab es Weihnachtliches bei „Tegel liest“ im meredo

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Tegel – Anstatt stimmungsvollem Schnee gab es nur Regen. Doch zwei Pavillons sorgten für trockenes Zuschauen, als die Reinickendorfer Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt zusammen mit dem Leiter des meredo, Benjamin Kubel, die große rote Schleife an der gelben Telefonzelle öffnete.

Wie aus der Zeit gefallen steht die große gelbe Box vor dem Medienkompetenzzentrum Reinickendorfs in der Namslaustrasse – und auf die Frage der Stadträtin, welches der Kinder schon mal so eine Telefonzelle gesehen habe, hoben sich nur wenige Hände.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde im April 2019 die letzte der noch in Betrieb befindlichen gelben Telefonzellen in Bayern abgebaut. In Berlin stehen nur noch rund 2.000 der insgesamt etwa 20.000 Telefonzellen Deutschlands – von einstmals über 160.000. So war es gar nicht so einfach, noch eine dieser gelben Zellen zu ergattern.

Benjamin Kubel ist dafür bis nach Leipzig gefahren, denn die Boxen wurden von der Deutschen Telekom zumeist an Privatpersonen oder Handelsunternehmen verkauft, die sie nun allmählich weiter verkaufen. Als Bücherbox ist diese Zelle nun wieder auferstanden. Mit Unterstützung des Reinickendorfer Tiefbauamtes wurden Genehmigungsverfahren abgewickelt und die Stromversorgung hergestellt, denn die Box wird nicht nur nächtlich beleuchtet, sondern bietet sogar eine Lademöglichkeit für das Smartphone. Während geladen wird, kann man die Zeit gut nutzen, denn die Box bietet reihenweise Bücher – zum Schmökern, Ausleihen oder Mitnehmen, wobei Rückgabe oder Ersatz ausdrücklich gewünscht sind. Zwei neue Bänke neben der Box laden zum Frischluftlesen ein. Benjamin Kubel hofft, dass die Box rege und richtig genutzt wird – zu Silvester wird er sie dennoch absperren, damit sie nicht Ziel von Böllerattacken wird.

Anschließend wurde beim „Tegel liest“-Abend im meredo Weihnachtliches vorgelesen. Vier Kinder hatten sich gemeldet und lasen Märchen und Weihnachtsgeschichten bei Keksen, Tee und Punsch vor. Als Anerkennung gab es einen Büchergutschein für die jungen Vorleser. Anschließend kamen die Erwachsenen zu Wort und lasen von ungewöhnlichen Begegnungen: Wenn ein alternder James Bond in einer Berliner Kneipe auf „Mein Name ist Christus. Jesus Christus“ trifft, gilt es, vielen lustigen wie nachdenklichen Wortspielen und Gleichnissen zu folgen.

Eine ungewöhnliche musikalische Begleitung sorgte für Stimmung: Eine Hand Pan spielte auf. Dieser UFO-ähnliche Stahlkörper aus der Kategorie sogenannter Steel Drums ermöglicht durch Anschlagen mit der Hand auf einer Reihe kreisförmig angeordneter Dellen Töne über eine Oktave. Entsprechend gespielt passten die sphärischen Klänge gut zu der weihnachtlichen Stimmung. mvo

Gelbe Zelle als Bücherbox Foto: mvo