Kleiner Mann mit großem Herzen

Der Feuerwehr-Fotograf Detlef Machmüller ist im Alter von 67 Jahren verstorben

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Reinickendorf – Er war immer dabei, wenn es irgendwo brannte: Wenn der Pieper in der Hosentasche losging, war der kleine Mann mit der Kamera unterwegs – und manchmal schneller vor Ort als die Feuerwehr. Detlef Machmüller war über Jahrzehnte Bildjournalist, der für die Feuerwehrfotografie lebte. So porträtierte er über eine große Zeitspanne seines Lebens die Arbeit der Berliner Feuerwehr. Er erfasste Zeitgeschehen und Fahrzeuge, hatte Einsätze und Einsatzkräfte im Fokus und wäre am liebsten immer der Erste und der Letzte an einem Einsatzort gewesen. Nun schloss der kleine Mann mit der großen Leidenschaft und großem Herzen am 22. November im Alter von 67 Jahren für immer seine Augen.

Er hatte es nicht leicht im Leben, kämpfte tagtäglich seinen eigenen kleinen Überlebenskampf an der Dialyse. Oft fühlte er sich von Kollegen und Freunden missverstanden und zog sich dann verärgert zurück. Umso schöner, wenn er bald darauf wieder auftauchte und man gemeinsam lachen konnte. Der kleine Reinickendorfer boxte sich immer durchs Leben und machte sich bei der Bild-Zeitung und der B.Z. einen Namen als Fotograf. Dabei hatte er den Fotografen-Beruf gar nicht gelernt. Der gelernte Offset-Drucker entdeckte jedoch früh seine Leidenschaft für die Fotografie.

Mit Fix und Foxi fing dann die Fotokarriere an: „Die Feuerwache Schillerpark besaß früher zwei zahme Füchse als Maskottchen, und die Kameraden spielten mit ihnen“, erzählte er mir mal. „Dazu hatte ich dann eine schöne Geschichte in der B.Z..“

Er hängte seinen Drucker-Beruf an den Nagel und stieg bei der B.Z. als Berufsfotograf ein. Vor allem fotografierte er die Themen Polizei und Feuerwehr, aber auch Miss-Wahlen und Bälle. „Von Mord bis Mode hatte ich wirklich alles vor der Linse“, sagte er einmal und lächelte dann still in sich hinein. Auch für die Fachzeitungen der Feuerwehr und die Feuerwehr-Pressestelle machte er die Fotos. Und so kam er auch zum Feuerwehrmuseum in Tegel, dessen Gründungsmitglied er auch ist.

Er fotografierte beim Brand in der Gradestraße. Machmüller: „Ich erinnere mich intensiv an den Brand in der Gradestraße zur Zeit der Wende, bei dem zwei Feuerwehrleute ums Leben kamen, weil die Drehleiter umkippte. Ebenso dramatisch war die Gasexplosion in der Lepsiusstraße in Steglitz, bei der ein mehrstöckiges Wohnhaus komplett zerstört wurde.“ Aber auch das Feuer im Teppichgeschäft in der Ollenhauerstraße und ein Brand in einem Dachstuhl in der Kopenhagener Straße erlebte er durch seine Linse hautnah mit. Auch Bücher hat er geschrieben, von Werkfeuerwehren und den speziellen Fahrzeugen. So hat ihn die Farbe Rot immer magisch angezogen.

Ich habe Detlef während unserer gemeinsamen Zeit beim Nord-Berliner kennengelernt – und dann haben wir uns nie mehr aus den Augen verloren. Über sein 30. Jubiläum an der Dialyse, das er so feierte, weil er immer noch am Leben war, habe ich geschrieben. Da lag er im Dialysebett, das jeden Montag, Mittwoch und Freitag für fünfeinhalb Stunden seine zweite Heimat war, und witzelte mit dem Ärztlichen Leiter des KfH-Nierenzentrums, Dr. med. Frank Heyder. Ich glaube, die Schwestern und Ärzte waren ein wenig seine Ersatzfamilie. Die eigene, die er sich immer gewünscht hat, aber hatte er nie.

In den letzten drei Jahren wurde es jedoch stiller um ihn. Er brach auch den Kontakt zu mir ab. Ich habe das akzeptiert, aber ich hätte gern noch mal mit ihm gefachsimpelt und ihn zum Lachen gebracht. Mach‘s gut, kleiner Mann mit großem Herzen… Christiane Flechtner