Freitag, 29. September 2023
Start Panorama Schutzpilze im Wald sind nicht zum Essen da

Schutzpilze im Wald sind nicht zum Essen da

Schutzpilze im Wald sind nicht zum Essen da

Tegel/Hermsdorf – Es ist nur eine kurze Autofahrt vom Forstamt Tegel an der Ruppiner Chaussee bis zum Waldspielplatz an der Schulzendorfer Straße in Hermsdorf. Am Steuer sitzt Karl-Heinz Marx, der Forstamtsleiter. Es ist ein kühler Novembermorgen ohne Sonne, und die Luft riecht nach Harz und Waldboden, als die RAZ-Reporterin aus dem Auto steigt.

Hier am Waldspielplatz bauen Joél und Milan, Zimmerer im zweiten Ausbildungsjahr, gemeinsam mit ihrem Ausbilder Peter Schwarzmayer und dem Bauleiter Knut Külzer einen sogenannten Schutzpilz. Alle kommen vom Oberstufenzentrum Bautechnik I der Knobelsdorff-Schule in Spandau. Joél und Milan tragen die „Kluft“ genannte typische Arbeitskleidung der Zimmerer, die aus Hose und Weste aus schwarzem Breitcord besteht.

Schutzpilze sind Unterstände aus Holz, wie man sie aus dem Tegeler Forst kennt. Da dieser in erster Linie als Schutz- und Erholungswald dient, bieten die Schutzpilze den Waldbesuchern die Möglichkeit, sich bei Regen unterzustellen oder sich kurz auszuruhen. Einen Stromanschluss gibt es für die Handwerker nicht. „Wir sägen alles von Hand“, erklärt Joél. Auf die Frage, wie ihm die Arbeit im Wald gefällt, lächelt er: „Ich finde es schön, hier im Wald zu arbeiten an der frischen Luft“. Milan ergänzt: „Es gefällt mir besser als in der Werkstatt oder auf den Dächern!“ „Nein, wir frieren nicht!“, antworten sie kopfschüttelnd.

Ein Schutzpilz wird aus drei verschiedenen Holzarten gebaut. Ein entrindeter Eichenstamm, „Kaiserstiel“ genannt, trägt das Dach. Für die kunstvoll ineinander geschraubten Dachbalken wird Fichte verwendet. Das sechseckige Dach besteht aus witterungsbeständigem Lärchenholz, das mit den Jahren eine silbergraue Farbe annimmt. „Zu viert arbeiten wir etwa vier Wochen an einem Unterstand“, berichtet Peter Schwarzmayer. Das Forstamt lässt momentan alle sechs Schutzpilze im Tegeler Forst erneuern, von denen einige schon fertig sind. Karl-Heinz Marx ist sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit dem OSZ: „Unser eigenes Personal ist für diese Arbeit nicht ausgebildet und freie Handwerker können wir uns nicht leisten“, ergänzt er. Er nennt es eine „Win-Win-Situation“ für beide Seiten und lobt die Knobelsdorff-Schule, an der noch fachgerechtes Handwerk gelehrt werde.

Auch der für Hermsdorf zuständige Revierförster Johannes Müller freut sich, dass wieder ein Unterstand für die vielen Kinder entsteht, die hier täglich – zum Teil aus der ganzen Stadt – zum Waldspielplatz kommen, weil er ganz einmalig ist. Unterstände müssen übrigens offen sein und gut einsehbar – zur Sicherheit und auch, dass sie nicht als Unterkünfte missbraucht werden.

Aus dem Kamin des Bauwagens steigt Rauch. Ein Blick in sein Inneres zeigt einen Holzofen, aus dem es knistert, einen Tisch und ein paar Stühle. Perfekt für die Pause an einem Arbeitstag im Novemberwald.

mfk

Ein Schutzpilz Foto: mfk

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf