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Reinickendorfer Schüler gewinnt Geschichtswettbewerb

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Bezirk – Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten hat sich der Reinickendorfer Anton Höffer mit dem Märkischen Viertel beschäftigt. Monatelang recherchierte er gleich nach der Schule zum linken Widerstand gegen das Bauprojekt Märkisches Viertel in Reinickendorf Ende der 1960er Jahre. Sein Beitrag wurde am 19. November im Schloss Bellevue mit einem der fünf ersten Preise ausgezeichnet.

Das Thema „Krise, Umbruch, Aufbruch“ kam für Anton wie gerufen. Krisen, so beobachtet er, würden heute zwar ständig ausgerufen, selten aber klar benannt. Gespräche mit der Familie und mit seinem Tutor brachten den 18-Jährigen dann zu seinem Forschungsthema.

Neben den „prominenten“ Konfliktherden Kreuzberg und Neukölln sind die Auseinandersetzungen um das Neubauviertel im Nordwesten Berlins kaum bekannt und wenig erforscht. Vor dem Hintergrund der drängenden Wohnungsnot in den 1960er Jahren galt das Märkische Viertel zunächst als innovatives Projekt dessozialen Wohnungsbaus. In die Fortschrittszuversicht mischten sich jedoch bald Widersprüche und Sorgen. Fehlplanungen, Mieterproteste und negative Presse machten aus dem Vorzeigeobjekt ein krisenbehaftetes Quartier. Gruppierungen der Neuen Linken, unter ihnen auch radikalere um die spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, versuchten, die Proste der Mieter für politische Aktionen zu instrumentalisieren. Auf Basis von Archiv-, Zeitungs- und Literaturrecherchen sowie Zeitzeugen-Interviews rekonstruiert Anton den Stadtteilkonflikt. Er reflektiert Motive und Handlungsspielräume der beteiligten Akteure vom Senat über die Mieter bis hin zu den linken Agitatoren und arbeitet das am Ende erfolgreiche Krisenmanagement von Senat und Bezirksamt heraus. Antons Fazit: „Die Extremen liebten die Krise und führten damit ungewollt eine Verbesserung des demokratischen Systems herbei. Sollte deswegen auch die Demokratie die Krise lieben lernen? Sicherlich nicht, zu oft haben sie schon ihre destruktive Kraft bewiesen. Und doch ist die Krise auch eine Chance für die Demokratie, sich zu verbessern und ihrer Werte in schweren Zeiten zu vergewissern.“

red

Anton Höffer nahm den Preis vom Bundespräsidenten Steinmeier entgegen Foto: David Ausserhofer

Foto: Koerber Stiftung: