Und plötzlich ist alles anders

Am 1. Oktober ist Internationaler Brustkrebstag – ein Blick auf die Krankheit

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Bild: Christiane Flechtner

ist wichtig, Brustkrebs so früh wie möglich zu erkennen. Denn lebensgefährlich ist nicht der Tumor selbst, sondern seine Streuung in den Körper. Werden bösartige Veränderungen in der Brust durch eine gute rechtzeitige Vorsorge erkannt, können sie durch eine Therapie an der Ausbreitung gehindert werden. In der Praxis von Claudia Jäggi, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Ollenhauerstraße 3-5, wird seit Jahresbeginn eine ganz besondere Vorsorgeuntersuchung angeboten. Die RAZ fragte nach.

Sie bieten die Tastuntersuchung nach „discovering hands“ an. Was hat es damit auf sich?

Blinde und sehbehinderte Frauen verfügen über die besondere Gabe, einen außergewöhnlichen Tastsinn zu haben. Bei der Methode nach „discovering hands“ wird sich diese besondere Begabung des ausgeprägten Tastsinns von sehbehinderten und blinden Frauen zu Nutze gemacht. Sie wurden zuvor in einer sehr hochwertigen, neunmonatigen Ausbildung praktisch als auch theoretisch geschult und zu professionellen Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen kurz MTU`s, ausgebildet. So können sie durch ihre besonderen Tastfähigkeiten bereits sehr kleine Veränderungen im Brustgewebe frühzeitig entdecken.  

Wie läuft die Untersuchung ab?

In einer standardisierten Brusttastuntersuchung wird die Brust von unserer Tastuntersucherin Zentimeter um Zentimeter abgetastet. Haptische Orientierungsstreifen, die auf die Brust gebracht werden, unterteilen diese in mehrere Zonen. Die Brust wird dann nach einem standardisierten Verfahren in allen Gewebetiefen – in drei Ebenen – durch die Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen abgetastet. Die so genannte Taktilographie dauert dann circa  40 und 60 Minuten je nach Brustgröße.

Warum bieten Sie diese spezielle Untersuchung an? Kann Mammographie das nicht auch leisten? 

Mir ist es deshalb so wichtig, weil es eine relativ einfache praktische Methode ist, um Brustkrebs früh zu erkennen. Brustkrebs ist eben der häufigste bösartige Tumor der Frau. Bei der Brustkrebsfrüherkennung gibt es drei Säulen: das Abtasten, der Brustultraschall und die Mammographie, das Röntgen der Brust. Diese drei Methoden ergänzen sich gegenseitig, und deshalb ist es auch so wichtig, alle drei Früherkennungsmaßnahmen zu nutzen. Es kann also durchaus auch mal sein , dass bei der Tastuntersuchung nach discovering hands  kleine Knötchen oder Veränderungen entdeckt werden können, die bei den anderen Untersuchungen gegebenenfalls übersehen werden. Zudem ist das Mammographie-Screening für Frauen im Alter von 50 bis 69 vorgesehen, aber es ist wichtig, dass auch junge Frauen sich schon untersuchen lassen sowie die Frauen ab dem 70. Lebensjahr bei der steigenden Lebenserwartung heutzutage. Auch junge Frauen erkranken immer häufiger an Brustkrebs. Dies sind dann oft aggressivere Tumorformen, die bereits nach einem halben Jahr zu tasten sind. Auch hier macht die Tastuntersuchung Sinn, wenn einmal jährlich der Arzt und in einem Abstand von sechs Monaten die MTU untersucht.

Wie genau können die Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen Dinge ertasten?

Nachweislich können diese speziell ausgebildeten Frauen schon Befunde ab sechs Millimeter ertasten, wohingegen der Arzt in der Regel erst Befunde ab einem Zentimeter ertasten kann. Patienten spüren Knötchen oder Veränderungen meist erst ab einer Größe von 1,5 Zentimetern. Wenn Arzt und MTU insbesondere im ambulanten Bereich beide untersuchen, entsteht eine Treffsicherheit von 82 Prozent, bösartige Befunde aufzudecken. Es ist eine echte Win-Win-Situation: Brustkrebs kann bereits viel früher erkannt werden, und gleichzeitig haben Frauen mit einer Sehbehinderung durch die Taktilographie die Möglichkeit, wieder in den Arbeitsalltag integriert zu werden. 

Was kostet die Untersuchung?

Die Untersuchung, die insbesondere der Prophylaxe dient, kostet 48,50 Euro. Doch mittlerweile gibt es schon rund 30 Krankenkassen, die diese standardisierte Untersuchung jährlich übernehmen.

Können auch Frauen zu Ihnen kommen, die nicht Patientin bei Ihnen sind?

Ja natürlich. Wir bieten die Medizinisch-Taktile Untersuchung an zwei Tagen pro Woche an, und zwar Montagvormittag von 9 bis 14 Uhr und Dienstagnachmittag von 11 bis 17 Uhr. Weitere Infos gibt es unter www.praxis-jaeggi.de.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview Christiane Flechtner