Rampenlicht-Rettung aus Reinickendorf

„RAZ Kultur“ zum Erhalt des legendären Prime Time Theaters gegründet – Im Herbst wird wiedereröffnet

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Tomislav Bucec und der Künstlerische Leiter Oliver Tautorat freuen sich über den Neustart (Bild: Fabio Quenaya Wittler)

Tegel/Wedding – Es wäre wohl verloschen, vermutlich für immer: das Rampenlicht am populären Prime Time Theater im Wedding… Wäre da nicht ein Frohnauer mit Weddinger Wurzeln gewesen, der sich dem beliebten Kleinod der Kunst- und Kulturszene Berlins aus alter Verbundenheit annahm: RAZ-Gründer  und -Herausgeber Tomislav Bucec hat sich die letzten Monate Tag und Nacht dafür eingesetzt, nicht nur die Bühne zu erhalten, sondern damit auch die Mitarbeiter vor dem Arbeitsplatzverlust zu retten. Wie öffentlich zuletzt bekannt, stand das „Prime Time“ mit seiner Reihe „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ als Flaggschiff-Produktion kurz vor der Insolvenz. 

Bucec aber gründete nach dem RAZ Verlag mit der Reinickendorfer Allgemeinen Zeitung und anderen Publikationen sowie dem RAZ Café als zweitem Kind der Dachmarke die RAZ Kultur GmbH und übernahm mit ihr den Betrieb des Hauses. Die Freude beim Theater-Team und dessen Fans ist groß: Am Standort wird es weitergehen, nach großangelegten Umbau- und Neustrukturierungsmaßnahmen steht schon Ende Oktober die große Wiedereröffnung an. „Modern, kultig und praktisch wird es werden. Ein Volkstheater mit Stil eben“, sagt Oliver Tautorat. Der Künstlerische Leiter ist der Gründer des „Prime Time“ und den Fans wohlbekannt in seiner Rolle als Postbote Kalle: „Es macht mich sehr glücklich, dass mein langjähriger Freund Tomislav Bucec so viele Visionen und konkrete Ideen für die Zukunft hierher mitbringt.“

Tatsächlich wird im Haus derzeit kräftig gewerkelt: Im Foyer entsteht die „Prime Time EssBar“, die an Spieltagen schon nachmittags öffnet. So können sich Theaterfreundinnen und -freunde gesellig – bei kleinen Gerichten, gutem Kaffee und kühlen Getränken – auf das Abendereignis einstimmen. Das Ambiente wertet die neue Betreiberin durch jede Menge passender kreativer Details auf. Der populäre langjährige Theaterhund Blacky wird, als in Übergröße gefertigter Kunstdruck, die Gäste am Eingang begrüßen. Auch die Kult-Figuren tauchen verschiedentlich – mal unauffällig, mal plakativ in Maxi-Version – im Foyer auf und tragen zu dessen besonderem Flair bei. Dort wird im Übrigen künftig auch das Vorverkaufsbüro zu finden sein, das an Spieltagen ab Öffnung der „Prime Time EssBar“ Karten, Plakate, Gutscheine verkauft. Im Saal unterdessen erneuern die Verantwortlichen nicht nur die gesamte Technik, sondern optimieren auch die Platzierung: Nummerierte Sitze, buchbar in drei Preiskategorien, bringen mehr Struktur für Gäste und Planer. 

Im Herbst fällt mit Wiedereröffnung des Kulttheaters der Startschuss für eine Dekade, denn die Theatermacher haben sich vorgenommen, mindestens weitere zehn Jahre an der Müllerstraße zu spielen. Das Schauspielensemble arbeitet künftig in Festanstellung und wird 2020 um zwei neue Gesichter erweitert. Head-Autor ist und bleibt Philipp Lang, die Regiearbeit hat nach wie vor Alexandra Marinescu-Lang inne. „Statt des letzten Vorhangs fallen in dieser Besetzung sicher noch viele, viele hundert“, sagt Tautorat, „wir freuen uns auf die Zukunft – und auf alle alten und viele neue Fans.“