„Kannst du nicht“ war gestern

Zirkusprojekt fördert verborgene Talente in der Grundschule am Schäfersee

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Bild: Daniele Schütz-Diener

Reinickendorf-Ost – Bereits beim Betreten des mit Popcornduft durchfluteten Eingangs der Turnhalle ist klar, dass hier Zirkus in der Luft liegt. Und dann hört und sieht man es. Beim Lied „Alle Vögel des Dschungels tanzen zum Festival“ sieht man Kinder in bunten Kostümen mit viel Rhythmus und Lebensfreude durch die aufgebaute Manege tanzen und springen.

Der Projekt-Zirkus „La Luna Happy Kids“ gastierte vom 19. bis 31. August in der Grundschule am Schäfersee. 430 Schüler wurden in zwei Projektgruppen aufgeteilt und lernten hier verschiedene Zirkusdisziplinen wie Akrobaten, Zauberer, Jongleure, Clowns, Fakir, Seiltänzer, Trapez und schwarzes Theater. „Zuerst musste ich einen kleinen Test bestehen, aber jetzt ist es toll, dass ich bei der Trapeznummer mitmache“, erzählt mit leuchtenden Augen die Viertklässlerin Melek Kilic. Lediglich bei den Artisten am Trapez wurde ein kleiner Beweglichkeitstest vorausgesetzt, ansonsten konnten sich die Schüler ihre Zirkusrollen selbst aussuchen. „Ein Schüler mit Förderschwerpunkt Sprache traute sich sogar den Frontdialog als Clown zu“, staunte Schulleiterin Anja Fritsch. 

Grenzen testen

Nicht nur Kinder mit Förderschwerpunkten trauten sich an neue Rollen. Bei dem Zirkusprojekt kann jeder seine Grenzen testen, seine Möglichkeiten und inneren Stärken feststellen und seine verborgenen Talente entdecken, welche im normalen Leben unbeachtet bleiben. „Gerade für Kinder, die sonst nur angeranzt werden, ist es eine Wahnsinnserfahrung zu merken: Ich kann etwas!“, begründet Juliane Zantke, Klassenlehrerin einer 2. Klasse ihre Idee, den Zirkus an die Schule zu holen. Nach nur zwei Trainingstagen, an denen die Schüler hochkonzentriert viel gelernt haben, konnten sie in ersten Generalproben zeigen, wie sie losgelöst aus der Wohlfühlzone des Klassenzimmers jahrgangsübergreifend zu einem Team zusammengewachsen sind. 

Lauf über Glasscherben

„Lauf, lauf!“, schrien die Clowns und das Publikum als die Drahtseiltänzerin mit verbundenen Augen ihren zweiten Akt hatte. Mit kurzen Zeichen verstanden die engagierten Zirkusleute, die Kinder bei ihrem Einsatz zu begleiten und so konnten auch der Lauf über Glasscherben sowie die Trapeznummer mit ernster, aber gefasster Miene absolviert werden. 

Auch Feuerspucker durften nicht fehlen. Obwohl kein echtes Zirkuszelt auf dem Schulgelände gestellt werden konnte, kam bei den professionell einstudierten Darbietungen in der Turnhalle echtes Zirkus-Feeling auf. Der Mut in der Manege zu stehen und die Überwindung des Lampenfiebers wurden mit verdientem Applaus des gesamten Publikums bei den spektakulären Abschlussshows für Verwandte und Freunde belohnt. Dies wird den Kindern ein nachhaltiges Gefühl der Wichtigkeit und Einzigartigkeit nachverleihen. Trotz eines hohen Organisationsaufwandes sind sich Zantke und Fritsch einig: „Der Lohn für uns ist, in diese strahlenden Kinderaugen schauen zu dürfen.“