Viel Hilfsbereitschaft in der „Resi“

Für neue „Little Homes“ werden rund um die Residenzstraße noch Plätze gesucht

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Bild: Bertram Schwarz

Reinickendorf – Das kleine Holzhaus ist ziemlich vollgepackt. Aber alles hat seine Ordnung auf den knapp vier Quadratmetern. Die Bewohnerin Angela Inihm legt noch einmal schnell letzte Hand an, bevor sie dem Besucher einen Blick in ihr Reich gewährt. In der Sommerhitze stand die Tür nachts auch schon einmal offen. Sie hat keine Angst in der Stargardtstraße: „Wenn jemand kommt, bringt er uns etwas.“ 

Als gläubige Christin fühlt sie sich nicht obdachlos. „Ich hatte nur keine Wohnung“, sagt sie, die jetzt froh ist, einen Rückzugsraum zu haben. Seit etwa drei Monaten lebt sie in dem „Little Home“, das Anfang des Jahres aufgebaut wurde. Der erste Bewohner war Daniel Reichert (die RAZ berichtete), der nach vier Wochen eine Wohnung anmieten konnte. Mittlerweile steht bereits ein zweites Häuschen auf dem Bauhof. Mit ihrem Nachbarn versteht sie sich gut.

Möglich gemacht hat das alles der Bezirksverordnete Norbert Raeder (CDU), der in der Residenzstraße die Gaststätte „Kastanienwäldchen“ betreibt, sich aber für den ganzen Kiez verantwortlich fühlt. Bei einem Spaziergang mit ihm recken sich von überall Hände entgegen: „Hallo Norbert“, „wie geht’s Norbert?“. Er kennt fast alle mit Namen. Vor allen Dingen diejenigen, die im Schatten von Mülltonnen beieinandersitzen oder sich auf einer Parkbank zusammenkauern. Einer hat am linken Arm eine Schiene und einen Verband, der nach Erneuerung verlangt. Norbert Raeder fragt, ob er die nahe Apotheke um Hilfe bitten soll.

Im Schaufenster der „easy Apotheke“ ist zu lesen, dass sie „obdachlosen Menschen in unserem Bezirk rund um die Residenzstraße“ hilft. Dafür stellt sie Verbandsmaterial, Läusemittel, Taschentücher „für verschnupfte Nasen“ zur Verfügung. Wer möchte, kann für Kompressen, Jod, Salbe, Halsschmerztabletten spenden. Ein Foto zeigt die Mitarbeiter der Apotheke, die Verantwortung für die Schwachen in ihrer direkten Umgebung übernehmen. 

Vor seinem „Kastanienwäldchen“ hat Raeder im Sommer einen Kühlschrank aufgebaut, in den jeder seine Spende „ausschließlich und nur in Form von Wasserflaschen“ stellen kann. Gerade ist er leer. Ein Mitarbeiter der Gaststätte füllt ihn auf. Raeder beobachtet aber oft, dass Kombis nach dem Einkauf kurz halten, Wasserflaschen abladen und weiterfahren. Er ist stolz auf die Hilfsbereitschaft in seinem Kiez, in dem viele arme Menschen leben. Es sind „Obdachlose, Sozialhilfeempfänger, arme Rentner und Familien mit vielen Kindern“. 

Bei der Essensausgabestelle von „Teen Challenge Berlin“ auf dem Franz-Neumann-Platz kommt ganz zum Schluss „Didi“ um die Ecke. Ein paar Brottüten sind noch übrig, und Didi kann sich eine aussuchen. Höflich bedankt er sich und nimmt auch gern noch einen Kaffee. Raeder erklärt, dass das Brot von der Kamps-Bäckerei aus der Friedrichstraße kommt. Es würde sonst weggeworfen werden. Eine perfekte Zusammenarbeit ganz in seinem Sinne: „Friedrichstraße hilft Residenzstraße“. 

Besonders angetan hat ihn das Projekt „Little Home“, das ursprünglich aus Köln kommt. Auf vier Europaletten wird aus Pressholz eine kleine Hütte gezimmert, die Obdachlosen die Chance gibt, von der Straße zu kommen. Eine solche Hütte kostet ungefähr 1.200 Euro, die von Spendern aufgebracht werden müssen. Für zwei weitere Hütten hat er das Geld bereits zusammen. Doch in der Stargardtstraße ist kein Platz mehr. 

Helfende Hände kennt er genug, die beim Aufbau mitmachen würden. Nun braucht er nur noch einen Stellplatz und hofft auf weitere Hilfsbereitschaft in Reinickendorf.