Runder Geburtstag am Elchdamm in Heiligensee

Der Nordberliner SC wird 100 Jahre alt – Amateurmeisterschaft 1962 war der größte Erfolg

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Heiligensee – Am 24. August wird es auf der idyllisch am Wald gelegenen Sportanlage des Nordberliner SC hoch hergehen. Am Elchdamm steht ja auch ein runder Geburtstag an. Der Nordberliner SC feiert sein 100. Jubiläum. Und weil so ein Geburtstag eben etwas ganz Besonderes ist, ist es bereits die zweite Feier. Stand die Fete am 25. Mai im Zeichen der Kinder, sind am 24. August die Erwachsenen an der Reihe.

Eigentlich war Hertha BSC als Ehrengast vorgesehen, aber: „Hertha wollte einen fünfstelligen Betrag haben, das konnten wir uns nicht leisten“, sagt Abteilungsleiter Martin Stelzer. Das Programm kann sich aber auch ohne Hertha sehen lassen.

Mancher könnte nun aber einwenden, den Nordberliner SC gibt es doch erst seit 17 Jahren. Damit hat man sicher auch nicht Unrecht, erst im Sommer 2002 schlossen sich der SC Tegel und der SC Heiligensee zusammen und nannten sich fortan Nordberliner SC. Aber einer der beiden Vorgängervereine, der SC Tegel, erblickte eben schon 1919 das Licht der Fußballwelt. Der SC Tegel ging aus der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Sportgruppe Tegel hervor, die wiederum ein Nachfolger der 1919 gegründeten DJK Stern Tegel, des SC 1924 Tegel, der SpVgg Borsig Tegel und des FC Amateure Tegel war. Der SC Heiligensee wurde 1935 gegründet. Der erfolgreichere der beiden Vorgängervereine war der SC Tegel, aber auch der SC Heiligensee hatte seine „lichten Momente“.

Der SC Tegel stieg 1950 in die zweitklassige Amateurliga Berlin auf. Nach dem Abstieg 1954 kehrten die Tegeler 1959 hierher zurück. Die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte wurde nun eingeläutet. Die Saison 1961/62 unter Hermann Becker, der gleichzeitig Jugend- und Herrentrainer war, wurde zum Höhepunkt in der Geschichte des SC Tegel. Mit 51:9 Punkten und 68:26 Toren wurde der SC Tegel Berliner Amateurmeister.

Aber das war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Nach Siegen über die SpVgg Büchenbach und Phönix Bellheim stand der SC Tegel im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Mit 1:0 bezwang das Becker-Team vor 12.000 Zuschauern im Wuppertaler Stadion am Zoo den Turn, und Rasensportverein Bonn und holte damit erstmals die Deutscher Amateurmeistermeisterschaft nach Berlin. Karl Bölk erzielte damals das Tor des Tages. Als Prämie erhielt jeder Spieler 200 D-Mark und ein Abendessen.

Mit der Einführung der Bundesliga aber stürzten die Tegeler als Tabellenletzter des Berliner Oberhauses von der Erst- in die Drittklassigkeit ab. 1965 qualifizierten sich die Tegeler nochmals für die damals zweitklassige Regionalliga, mussten aber nach einem Jahr wieder runter. Es folgten mehrere Jahre in der Amateurliga Berlin mit dem vierten Platz in der Saison 1971/72 als Höhepunkt. 

Ein Jahr später folgte der Abstieg. 1993 schafften die Tegeler den Aufstieg in die Verbandsliga und damit die Rückkehr in die höchste Berliner Amateurliga. Vier Jahre später folgte der Abstieg in die Landesliga, der allerdings auf Anhieb mit dem Wiederaufstieg beantwortet wurde. Als abgeschlagener Tabellenletzter der Verbandsliga 1998/99 ging es zurück in die Landesliga. Im Jahr 2002 folgte der Abstieg in die Bezirksliga. Dort sollte der SC Tegel allerdings nicht mehr antreten, sondern man fusionierte mit dem SC Heiligensee.

Der SC Heiligensee spielte insgesamt fünf Jahre in der Verbands-, der heutigen Berlin-Liga. 1995 belegten sie hier immerhin Rang drei. Der Nordberliner SC pendelte nach der Fusion immer wieder als „Fahrstuhlmannschaft“ zwischen Berlin- und Landesliga.

Der berühmteste Spieler war der aus dem SC Tegel hervor gegangene Torwart Richard Golz, der 453 Bundesliga-Spiele für den Hamburger SV und SC Freiburg sowie sechs Länderspiele für die deutsche U21 absolvierte. Oliver Schröder kam auf 115 Bundesliga-Einsätze, Pascal Bieler auf 13. Die dem Nordberliner SC entstammenden Zwillingsschwestern Nicole und Sylvie Banecki holten 2012 mit Bayern München sogar den DFB-Pokal, ihr Bruder Francis war unter anderem für Werder Bremen aktiv – und hatte sogar einen Kurzeinsatz in der Champions League. Heute leitet er eine Fußballschule – in Kooperation mit dem Nordberliner SC.

Riesig ist er nicht gerade, der Hauptplatz des Nordberliner SC am Elchdamm. Dabei gibt es ihn schon lange, hier spielten die Fußballer des SC Heiligensee – zuerst auf Schlacke und ab Ende der 1980er Jahre auf Kunstrasen. Im „Heiligenseer Elch“, der früher auch den Namen „Elchdammer“ trug, kann man in gemütlicher Runde ein Bierchen zischen.

Die Anlage ist nicht die einzige, die dem Verein zur Verfügung steht. Das wäre bei den 16 Jugend- und sieben Erwachsenen-Teams zu wenig an Spielflächen. Trainiert und gespielt wird auch noch am Platenhofer Weg in Heiligensee sowie auf den Sportanlagen Borsigpark und Hatzfeldtallee in Tegel. Zwei Drittel der rund 550 Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. „Das ist der Beweis dafür, dass der Verein trotz seines Alters jung geblieben ist“, sagt Bürgermeister Frank Balzer in seinem Grußwort zum runden Geburtstag.                                                                                                                                 bek