Hoffnung für die Anwohner in der Trettachzeile

Bleibt das Gelände „Altes Wasserwerk Tegel“ als grünes Kleinod erhalten?

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Borsigwalde – Seit 2016 steht das Gelände „Altes Wasserwerk Tegel“ in der Trettachzeile 15 zum Verkauf. Die Anwohner befürchteten eine Extrembebauung und gründeten die  Bürgerinitiative  „Altes Wasserwerk Tegel“ (die RAZ berichtete). Doch die Bürgerinitiative wehrte sich gegen die Bebauungspläne der Project Immobilien Berlin (PI). Nun keimt ein Funken Hoffnung auf. Die RAZ sprach mit dem Anwohner Heinz-Jürgen Korte.

Wie ist der Stand der Dinge?

Zu unserer positiven Überraschung äußerte sich die Project Immobilien in der ARD-Reportage „Heimat in Gefahr“ und inzwischen auch uns gegenüber dahingehend, über einen Verkauf des Geländes an unsere Bürgerinitiative verhandeln zu wollen. Entsprechend erarbeiten wir nun Konzepte und Finanzierungspläne, sprechen mit Stiftungen, Genossenschaften, aber auch mit Privatpersonen. Sobald wir einen persönlichen Ansprechpartner bei der PI haben, wollen wir uns möglichst zeitnah mit ihnen an einen Tisch setzen um weitere Details zu verhandeln. 

Erst sollten bei einer Neubebauung die denkmalgeschützten Werkstattgebäude abgerissen werden. Das galt auch für den Bunker auf dem Gelände. Doch nun gibt es Veränderungen.

Das Landesdenkmalamt hat dem Abriss der denkmalgeschützten Werkstattgebäude widersprochen. Man prüfe zudem, den Bunker unter gesonderten Denkmalschutz zu stellen. Ebenso soll das historische Straßenpflaster erhalten bleiben. Entgegen den anfänglichen Plänen würde somit ein Großteil des Denkmalensembles erhalten bleiben. 

Sind dann die Baupläne noch realisierbar? 

Die aktuellen Pläne kennen wir leider nicht, da entgegen der zugesagten vollkommenen Transparenz das Bezirksamt hier mauert. Unserer persönlichen Einschätzungen nach sind die Einschnitte durch das Landesdenkmalamt, aber auch die Stellungnahmen der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. so gravierend, dass selbst die PI Zweifel an der Umsetzung haben müsste. Auch dass die PI versucht hat, den Kaufvertrag mit der DW rückgängig zu machen, ist ein deutliches Zeichen.

Wie ist die Situation der Bewohner derzeit? 

Nachdem auf dem größeren Wohngebäude das marode Dach erneuert und die Fassade abgedichtet worden war, wurden die Bewohner der am meisten von Schimmel betroffenen Wohnung am 22. August 2018 in eine darüberliegende für eine Kernsanierung umgesetzt. Der ursprünglich vereinbarte Rückzugtermin war für Mitte Dezember 2018 angesetzt. Angesichts einer Vielzahl an Fehlplanungen, falsch ausgeführter Arbeiten sowie falscher Materialien sind die Arbeiten bis heute nicht abgeschlossen. Es stellt sich auch die Frage, womit die Bewohner nach Fertigstellung eigentlich wieder zurückziehen sollen? Quasi die komplette Wohnungseinrichtung, aber auch sämtliche persönliche Dinge lagern seit einem Jahr ungereinigt in einem Container auf dem Hof, darunter auch völlig verschimmelte Einrichtungsgegenstände. In anderen Wohnungen, die ebenfalls mit Schimmel zu kämpfen haben oder bei denen defekte Abwasserrohre sind, passiert aktuell leider auch nichts. 

Sie haben allgemein auch Ärger mit der von der Project Immobilien eingesetzten Hausverwaltung BGV. Ich habe gehört, dass die Betriebskostenabrechnungen falsch sind. Stimmt das?

Ja, das ist zum Teil echt unglaublich, womit wir uns da seit Monaten konfrontiert sehen. Angefangen damit, dass man offensichtlich nicht in der Lage war, ein paar einfache Zahlen zu addieren – in einem Fall um fast 500 Euro zum Nachteil des Mieters verrechnet – , oder Gutschriften über zum Teil mehrere Tausend Euro, die in den Gesamtkosten nicht in Abzug gebracht wurden. Die Liste ist lang! 

Wie geht es jetzt weiter? 

Wir erhoffen uns, dass wir von der PI möglichst bald einen bevollmächtigten Ansprechpartner kriegen, mit dem wir uns an einen Tisch setzen können, um zumindest erste Eckpunkte zum Ankauf zu klären. Auch angesichts des großen Interesses von Medien, Politik und Unterstützern wäre es schön, wenn wir die Aufnahme erster Gespräche verkünden könnten. Wir glauben, für alle Beteiligten eine vernünftige und zufriedenstellende Lösung finden zu können. Natürlich müssen wir in Sachen Finanzierung und Konzept auch noch einige Hausaufgaben erledigen und Gespräche führen. Unser Vorhaben, das „alte Wasserwerk“ behutsam und gemeinwohlorientiert zu entwickeln, ist auf einem guten Weg.

Vielen Dank für das Gespräch.