Alleinerziehend und glücklich

Im Bezirk gibt es viele Angebote zur Unterstützung im privaten und beruflichen Bereich

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Bild: Christiane Flechtner

Wie viele Alleinerziehende gibt es in Reinickendorf?

Tobias Dollase: Auf Basis der Datenbank des Statistischen Informationssystems Berlin-Brandenburg lässt sich feststellen, dass es im Jahr 2016 in Reinickendorf etwa 6.700 Familien gab, in denen nur ein Elternteil mit einem minderjährigen Kind oder mehreren Kindern zusammenlebt. Ist die Anzahl gleichbleibend oder wird die Zahl größer? Die Zahl der Alleinerziehenden in Reinickendorf schwankt über die Jahre, ist aber seit 2014 leicht rückläufig. Damit folgt Reinickendorf dem auch für Gesamt-Berlin zu beobachtenden Trend.

Wie viele davon sind Männer?

Das Statistische Informationssystem weist aufgrund geringer Fallzahlen für die Bezirke die Zahl der Alleinerziehenden nicht nach Geschlecht aus. Für Gesamt-Berlin lässt sich jedoch feststellen, dass der Anteil alleinerziehender Väter leicht ansteigend ist. Während in Berlin im Jahr 2010 9,5 Prozent der Alleinerziehenden Männer waren, lag der Anteil 2017 bei 13 Prozent. Deutschlandweit liegt der Anteil bei etwa 10 Prozent.

Welche Probleme haben Alleinerziehende in Reinickendorf?

Ihre Situation unterscheidet sich vom Grundsatz her nur wenig von der Alleinerziehender in anderen Bezirken. Oft sind Alleinerziehende allein für den familiären Lebensunterhalt, die Kindererziehung, den Haushalt sowie für die Organisation des Alltages allein verantwortlich, häufig stoßen die Betroffenen dadurch an Grenzen ihrer körperlichen und psychischen Belastung. Im gesellschaftlichen Querschnitt besteht bei Alleinerziehenden ein signifikant erhöhtes Armutsrisiko. Viele berufstätige Alleinerziehende sind aufgrund geringer beruflicher Qualifikation im Niedriglohn- oder Minijobsektor tätig und auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen.

Das ist sicher in allen Berliner Bezirken so, oder nicht?

Im Zusammenhang der Kombination von Alleinerziehend und SGB II-Bezug bestehen zwischen den Berliner Bezirken durchaus soziostrukturelle Unterschiede. So lag beispielsweise der Anteil der minderjährigen Kinder von Alleinerziehenden im SGB II-Be-zug an der Anzahl der minderjährigen Kinder insgesamt im Jahr 2017 in Reinickendorf mit 15,5 Prozent über dem Wert für Gesamtberlin mit 12,8 Prozent. Den bezirklich höchsten Anteil verzeichnete Marzahn-Hellersdorf mit 19 Prozent, den geringsten Steglitz-Zehlendorf mit 5,8 Prozent.

Welche Angebote bietet der Bezirk?

Rat und Unterstützung finden Alleinerziehende in Reinickendorf unter anderem bei der „Ko-ordinierungsstelle für Alleinerziehende, die an den Bildungsträger „BIBA“ angebunden ist. Dieses Netzwerk bietet einmal monatlich eine mobile Beratung für diesen Personenkreis an. Darüber hinaus finden sich im Bezirk weitere Beratungsstellen und diverse Familienzentren. Bei Problemen bei der Kindererziehung halten ferner die Erziehungs- und Familien-beratung sowie der Regionale Sozialpädagogische Dienst des Jugendamtes Hilfsangebote vor, bei Rechtsfragen auch die Kindschaftsrechtliche Beratung und Vertretung.

Sind diese Angebote ausreichend?

Insgesamt bieten die Hilfsangebote ein gutes Netz von Information, Beratung und Unterstützung und stehen in schwierigen Lebenssituationen von Alleinerziehenden flankierend zur Seite.

Danke für das Gespräch.