Freitag, 30. September 2022
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Wenige Stromtankstellen

Wenige Stromtankstellen

Hermsdorf – „Wir leben in einer Lade-Wüste“, sagt Udo Maack aus Hermsdorf. Er fährt seit fünf Jahren ein Elektroauto und hat in dieser Zeit 45.000 Kilometer hinter sich gebracht. Zumeist war er innerorts unterwegs, aber er ist mit seinem Wagen auch schon bis nach Göteborg gefahren und schwärmt von der Infrastruktur für Elektroautos in Skandinavien. Hier in Deutschland sehe es weit schlechter mit den Stromtankstellen aus. Das spüre er immer wieder, wenn er sich mit seinem E-Auto von Ladestelle zu Ladestelle von Berlin nach Rostock hangele, wo seine Tochter wohnt.

Das Dach seines Einfamilienhauses in Hermsdorf ist zur Südseite nahezu vollkommen mit Solarpanels bedeckt. Im Jahr „erntet“ er ungefähr 8.000 kwh. Das ist viel mehr als sein Haushalt verbrauchen kann. So speist er die überschüssige Energie in das öffentliche Stromnetz ein und wird dafür bezahlt. Aber darum geht es ihm in erster Linie nicht. Er möchte seinen persönlichen CO2-Ausstoß reduzieren und hatte sich auch deswegen für das Elektroauto aus französischer Produktion entschieden. Im Ganzen ist er so zufrieden, dass er sich aus der gleichen Reihe gerade ein neues Modell mit größerer Batterie und damit mehr Reichweite bestellt hat.

Nur eine Handvoll Ladestationen

In seiner Garage hat er seine eigene Ladestation, deswegen ist er auf den Kurzstrecken in Reinickendorf nicht auf öffentliche Stromtankstellen angewiesen. Die Reichweite des älteren Modells beträgt im Winter 120 Kilometer und im Sommer 180 Kilometer. Das ist für ihn eine auskömmliche Situation. Aber er weiß um die schlechte Ausrüstung mit E-Tankstellen im Bezirk. Bezirksstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) ist unter anderem für die Wirtschaft in Reinickendorf zuständig und setzt sich sehr für die Elektromobilität ein. So organisiert seine Behörde jedes Jahr den Reinickendorfer Tag der Elektromobilität. Er kennt jedoch nicht die genaue Anzahl von öffentlichen Elektrotankstellen im Bezirk. Die zugänglichen Websites weisen meistens nur eine Handvoll dieser Ladestationen auf, keine mehr als ein Dutzend. Damit sei Reinickendorf „leider ein Stück hinterher“, gibt Brockhausen zu.

Leider geht auch das Pilotprojekt „Straßenlaternen zu Ladestationen“ an Reinickendorf vorbei. 500 elektrische Straßenlaternen sollen in Berlin zu Ladestationen für E-Autos umgebaut werden. Zunächst passiert das aber in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Brockhausen weiß darum und verspricht, die „ganze diesbezügliche Infrastruktur in Reinickendorf zu ertüchtigen“, auch wenn technisch „leider vieles schwieriger“ sei als zunächst angenommen. So spricht er die Gefahr an, dass das Stromnetz durch massenhafte Ladevorgänge überlastet werden könnte. Letztlich gehe es um die Attraktivität von Reinickendorf, sagt Praktiker Udo Maack. Er denkt an diejenigen, die mit ihren E-Autos nach Reinickendorf fahren wollen. Ohne ausreichende Lademöglichkeiten drohe ihnen, „nicht wieder nach Hause zu kommen“ – und deswegen würden sie dem Bezirk schlimmstenfalls gleich fernbleiben.

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf