Freitag, 30. September 2022
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Das unbequeme Erbe

Das unbequeme Erbe

Hermsdorf/Frohnau – Bei der teilöffentlichen Sitzung des Verkehrsausschusses Mitte Februar wurden zwei Tagesordnungspunkte beraten, deren Problematik auf die unglückliche Teilung der Länder- und Staatsgrenze zurückzuführen sind. Als Tagesordnungspunkt 7 diskutierten die Anwesenden die „Erneuerung der Burgfrauenstraße“. Diese Straße an der nördlichen Grenze Hermsdorfs erhielt mit der Errichtung des Grenzzaunes 1951 und verstärkt durch den Mauerbau 1961 eine Priorität, weil die Sperrung der Bundesstraße B 96 an der Südseite der Enklave „Entenschnabel“ die Zufahrt zum östlichen Teil Frohnaus kappte. Um den Dauer-Umleitungsverkehr auszuhalten, erhielt sie eine Betondecke.

Die nur rund zwölf Meter breite Straße mit einer Fahrbahnbreite von rund 7,50 Meter erhält durch parkende Autos Probleme beim Gegenverkehr. Deshalb wurde in den 1950er Jahren für die Buslinie vorübergehend eine Einbahnstraßenregelung getroffen. Die spätere Anordnung eines halbseitigen Bürgersteig-Parkens ergibt nun eine Fußweg-Breite von nur 1,15 Meter. Die jahrzehntealte Beton-Fahrbahndecke ist ein Lärm-Ärgernis, das der Beschwerdeführer Bernd Peterhaensel beklagt: „Trotz Schallschutzfenster klirren die Gläser, wenn ein Bus oder Lkw passiert.“ Die Klagen der Anwohner hatten insofern Erfolg, dass der Bezirk aus „Siwana“-Mitteln (Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds) Fördergelder für einen „Flüsterasphalt“ erhalten hat. Die Forderung von Bernd Peterhaensel, dass gleich die Probleme Bürgersteig und Parken mit reguliert werden, wies Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt ab, weil die Mittel nur für die Erneuerung der Fahrbahndecke ausreichen.

Der zweite „Entenschnabel“-Tagesordnungspunkt betraf die „Sichtverhältnisse am Edelhofdamm“. An der nördlichen Grenze der früheren Enklave weisen die Ortsschilder darauf hin, dass bis zur südlichen Grenze des Wohngebietes „Entenschnabels“ auf der B 96 ein Stück Brandenburg passiert wird. Beim starken Querverkehr Frohnau- Glienicke ergibt sich beim Linksabbiegen eine Sichtbehinderung durch eine Eiche, deren Fällung von Anwohnern gefordert wird. Nachdem Jörg Rathmer, Vorsitzender des Planungsausschusses Glienicke-Nordbahn, über einen anderen Grenzverlauf als bisher angenommen informierte, konstatierte Schultze-Berndt: „Dann ist es ja nicht mehr mein Problem, sondern das der Brandenburger“. Der Grenzverlauf am „Entenschnabel“ ist eines der komplexesten Themen der Reinickendorfer Nachkriegsgeschichte.

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf