Nicht nur drüber reden – selber kochen!

In Reinickendorf gibt es Projekte, die die gesunde Ernährung unterstütze

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Gesunde Ernährung ist in aller Munde. Berichte über Übergewichtige nehmen aber zu.  Wie das?

Die Menschen hierzulande wissen sehr viel und auch viel Richtiges über gesunde Ernährung, aber sie haben Mühe, diese Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. Da spielen Gewohnheiten, Zeitmangel (manchmal auch vermeintlicher) und Bequemlichkeit eine große Rolle. Beim Übergewicht kommt noch die ständige Verfügbarkeit und das überreiche Angebot von Nahrung dazu.  Gesunde Ernährung wird nur dann wirklich in aller Munde sein, wenn sie lecker, einfach zuzubereiten und leicht verfügbar ist. Hinzu kommt, dass das Wissen über gesunde Ernährung steigt, aber die Kenntnisse über deren Zubereitung sinken. Deshalb muss die Vermittlung von Ernährungsinformation immer an deren praktische Umsetzung geknüpft sein, und genau dafür sind Schulen und in gewissem Umfang auch schon Kitas prädestiniert.

Was ist eigentlich gesundes Essen?

Wer sich gesund ernähren möchte, richtet sich am besten nach der Ernährungspyramide und den zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Wichtig ist es, sich abwechslungsreich zu ernähren sowie pflanzliche Produkte zu bevorzugen. Wer darüber hinaus so oft wie möglich frische Lebensmittel selbst zubereitet, hat schon viel erreicht.

Zucker ist schädlich. Warum wollen wir so süß essen?

Die Geschmacksrichtung süß ist uns vom ersten Tag unseres Lebens an angenehm. Muttermilch schmeckt schon leicht süß. Außerdem galten in grauer Vorzeit süße Früchte als sicher, also nicht giftig. Süße Früchte sind auch heute nicht das Problem, sondern der viele zugesetzte Zucker.

Ist gesund immer gleich teuer?

Nein. Es ist durchaus möglich, sich mit einem schmalen Budget gesund zu ernähren. Alle Discounter bieten heute genügend frische Produkte, oft sogar in Bioqualität an. 

Gibt es Lebensmittel, die man komplett meiden sollte?

Nein, alles ist erlaubt. Wie Paracelsus schon wusste, die Dosis macht das Gift! 

Wie animiere ich Kinder zum guten Essen?

Vorbilder und nicht Vorschriften sind am überzeugendsten. Außerdem sollten die Kinder so oft wie möglich mit einkaufen, das Essen zubereiten und Neues ausprobieren.

Manchmal ist es einfach Fast-Food. 

Es darf auch mal Fastfood sein. Es gehört zum Lebensmittel­angebot in Deutschland. Aber es sollte im Rahmen der oben beschriebenen Gesamternährung sein und nicht die täglichen Mahlzeiten dominieren. In der Ernährungspyramide ist es ganz oben in der Spitze als Extra angesiedelt – also eher selten und in kleineren Mengen verzehren. 

Wie kommt gesundes Essen auch im stressigen Alltag nicht zu kurz?

Sicher ist das auch eine Frage der Prioritätensetzung: Wenn mir meine Ernährung wichtig ist, dann bin ich auch bereit, Zeit zu investieren. Und wenn ich eine Zeit lang eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung praktiziert habe, wird das auch Routine und kostet mich weniger Zeit. 

Man ist, was man isst. Ist da etwas dran? Lässt sich gute Laune essen?

Oh ja, da ist etwas Wahres dran. Sicher spielen auch noch andere Faktoren für unser „Sosein“ eine Rolle wie Bewegung, Entspannung und auch die Gene, aber Essen und Trinken haben große Bedeutung. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung versorgt uns mit genügend, aber nicht zu viel Energie. Außerdem bekommen wir alle Nährstoffe, die wir brauchen, um fit, fröhlich und leistungsfähig zu sein. Und nochmal ja, gute Laune lässt sich essen, jedenfalls ein Teil davon. Es gibt manche Lebensmittel, die die Serotoninausschüttung („Glückshormon“) im Gehirn begünstigen wie Vanille, Kakao, Nüsse oder Sojaprodukte. Der andere glücklich machende Teil von Essen und Trinken sind Mahlzeiten in entspannter lustiger Runde mit Freunden oder der Familie.

Interview Anja Jönsson

Manuela Marin, Diplom-Oecotrophologin, berät Erwachsene, Kinder sowie Schulen, Firmen etc. rund um Ernährung, Lebensmittel und Gesundheit. Weitere Informationen unter www.manuelamarin.de