Mittwoch, 30. November 2022
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Die Ruhe ist bald passé

Die Ruhe ist bald passé

Lübars – Die Anwohnerschaft ist in heller Aufregung. Gleich sieben Einwohneranfragen gab es in der Bezirksverordnetenversammlung am 14. November zur beabsichtigten Öffnung des Alten Bernauer Heerweges zwischen Wittenauer und Quickborner Straße. In der BVV-Sitzung im Oktober war eine Empfehlung der CDU zur Öffnung mit den Stimmen von FDP und AfD beschlossen worden. Dieser Vorschlag ist Teil eines Maßnahmepakets, das sich mit Entlastungsvarianten für die Zeit der Sanierung der A111 befasst. SPD, Linke und Grüne sind strikt dagegen.

Die Baustadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) stellte eine Bürgerbeteiligung in Aussicht, sobald die Maßnahme in die Investitionsplanung aufgenommen werde. Bei der SPD sorgte das für Verwunderung. „Vorher einen Antrag beschließen lassen und dann einen runden Tisch anzukündigen, ist schon ein merkwürdiges Verständnis von Bürgerbeteiligung“, sagt der Fraktionsvorsitzende Marco Käber.

Das Hauptargument der CDU, durch die Öffnung des Alten Bernauer Heerweges den Verkehr im Ortskern Lübars zu entlasten, stieß auf Unverständnis. Die Parteien (außer CDU und AfD) kritisieren auch, dass bisher nicht einmal eine Verkehrszählung erfolgt sei, die die Argumente der CDU stützen könnte. Felix Lederle, der Fraktionsvorsitzende der Linken, sagte: „Mehr Straßen bedeuten nicht weniger, sondern mehr Verkehr.“ Jens Augner von den Grünen hält das Vorhaben schlicht für „aberwitzig“: „Wir haben keine verlässliche Datengrundlage. Es wird vielleicht eine marginale Entlastung des Zabel-Krüger-Damms geben, aber nicht im Dorf Lübars. Die geplante Ertüchtigung wird den Charakter der dortigen Wohnstrukturen massiv verändern.“ Die CDU suggeriere kleine Maßnahmen, wolle faktisch aber neue Straßen, die deutlich mehr Verkehr bedeuten.

Das glaubt auch Angela Budweg. „Für den Ortskern Lübars wird nichts gewonnen“, sagt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Die CDU- Fraktion ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Straßenbau zu mehr Verkehr führt“, sagt Budweg, „denn neue Straßen beeinflussen die Verkehrsmittelwahl zugunsten des Autos. Hier wird eine idyllische Struktur zerschnitten und noch mehr Wohngebiete entlang der Wittenauer Straße und des Alten Bernauer Heerweges würden verlärmt.“

Nur durch eine Fortsetzung des Alten Bernauer Heerweges östlich der Quickborner Straße Richtung Pankow würde nach Ansicht der SPD eine Entlastung des Dorfkerns eintreten. Es wird befürchtet, dass die Alternativroute über den Alten Bernauer Heerweg für Lübars zum Bumerang werde, denn die Verkehrsbelastung in allen zuführenden Straßen, also auch im Dorfkern, werde sich erhöhen.

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