Montag, 30. Januar 2023
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Buntes Reinickendorf

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Am Ende ging es dann ganz schnell und in seltener Einigkeit: In der Konsensliste der letzten Bezirksverordnetenversammlung wurden zahlreiche Anträge der Fraktionen der SPD, FDP und Grünen angenommen, die letztendlich alle das gleiche Ziel haben: mehr Farbe in das öffentliche Grün, um der gebeutelten Insektenwelt unter die Arme zu greifen.

Nun sollen Wildblumenwiesen angelegt, Baumscheiben bienenfreundlich bepflanzt und mehr obsttragende Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Für zwei Vorhaben gibt es schon konkrete Flächen: So soll die Wiese zwischen dem Rathaus Reinickendorf und der Oranienburger Straße als Standort für Obstbäume geprüft werden. Zudem ist geplant, die Grünfläche zwischen Waidmannsluster Damm, Budde- und Karolinenstraße mit einer insektenfreundlichen, regional angepassten Bepflanzung modellhaft zu gestalten. Damit kann die „Arbeitsgruppe Biodiversität“, eine erst 2017 gegründete Initiative aus Imkern und Naturschützern um den ehemaligen Lehrer Friedrich Vopel (die RAZ berichtete), ihren ersten großen politischen Erfolg für sich verbuchen. Sie hatte dieses Modellprojekt entwickelt und vorgeschlagen.

Lediglich ein Antrag zur bienenfreundlichen Bepflanzung der Mittelstreifen wurde abgelehnt – zu groß waren die Befürchtungen, dass die Verkehrssicherheit durch sichtbehindernden Aufwuchs gefährdet werden könnte.

Die Beschlüsse bedeuten neue Herausforderungen für das Straßen- und Grünflächenamt denn so einfach ist es nicht, langjährig eingewachsene Rasenflächen zum Blühen zu bringen. So wurden für dieses Jahr 1.350 Quadratmeter am Tegeler Hafen mit der „Veitshöchheimer Bienenweide“ eingesät doch so richtig blühte sie bisher nicht. Statt Wegwarte und Flockenblume blühen hier wieder die omnipräsenten Gräser, obwohl die frische Einsaat mit Einzäunung und Beschilderung vor dem Betreten geschützt worden war. Aufgrund der außergewöhnlichen Trockenheit im Frühjahr und einer zu flachen Bodenbearbeitung vor der Einsaat konnte sich der alte Aufwuchs offenbar wieder durchsetzen.

Auf solche Rückschläge muss man jedoch gefasst sein – neben den Einsaatverfahren müssen Pflegeregime und Maschinenpark an diese neuen Anforderungen angepasst werden. Auch die Reinickendorfer Spaziergänger werden sich an neue Anblicke gewöhnen müssen – im Gegensatz zum Einheitsgrün eines Rasens werden diese Wiesen jedes Jahr anders aussehen und höher wachsen. Jedoch bisher in nur bescheidenem Maße: Von über 637 Hektar Straßen- und Erholungsgrün nehmen die bisher umgesetzten Projekte – darunter 7.500 Quadratmeter insektenfreundlich bepflanzte Grünfläche im neuen Park am Klötzebecken – weniger als ein Prozent der Reinickendorfer Grünflächen ein.

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf