Montag, 30. Januar 2023
Start Panorama Statuen am richtigen Platz

Statuen am richtigen Platz

Statuen am richtigen Platz

Haben Sie die Statuen von Alexander und Wilhelm von Humboldt an ihrem neuen Standort schon entdeckt? Eine RAZ-Leserin hat sich an die Redaktion gewendet mit der Frage, warum die Statuen der beiden berühmten Brüder versetzt worden sind. Sie findet, dass das Ensemble – der Affe gehört auch dazu – am Tegeler Hafen in den letzten 25 Jahren viel mehr in der Öffentlichkeit gestanden habe. Den jetzigen Standort gegenüber des Einganges der Humboldtbücherei empfindet sie als „eingesperrt“. 

Die RAZ hat sich beim Bezirksamt über die Gründe für den neuen Standort erkundigt. Die zuständige Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt erläutert die Geschichte der Skulpturen. Sie sind 1997 beim Darmstädter Bildhauer Detlef Kraft in Auftrag gegeben worden. Das Reinickendorfer Unternehmen Alfred Gebauer hatte die anfallenden Kosten von 200.000 DM übernommen. Dem Spender war wichtig, dass die Skulpturen ihren Standort vor der Humboldt-Bibliothek erhalten. 1989 wurde die Bibliothek eröffnet, jedoch waren die damals geplante Bebauung des Tegeler Hafens sowie der Vorplatz der Bibliothek noch nicht realisiert. Und sie sollten es auch noch beinahe dreißig Jahre nicht sein… Es wurde ein „Zwischenstandort“ gesucht, schreibt die Stadträtin, bei dem bei den möglichen Bauarbeiten eine Beschädigung ausgeschlossen werden konnte. Nach einigen Abstimmungen mit dem Spender entschied man sich für den Standort am sogenannten „Rondell“, dem mit Stufen versehenen und kleinen Bäumen bepflanzten Platz am Tegeler Hafen. Die damals – noch vor dem Mauerfall – geplante Bebauung, zu der unter anderem ein Kulturzentrum gehören sollte, wurde nie verwirklicht. 

Die Leserschaft aus Reinickendorf erinnert sich bestimmt an die hügelige Brache mit dem Trampelpfad vor der Bücherei und die Humboldtinsel samt Überbauungsversuchen. 

In den letzten zwei Jahren sind nun ergänzende Bauten, wenn auch andere als die ursprünglich geplanten, entstanden. Endlich war der Zeitpunkt gekommen, den Skulpturen ihren endgültigen Standort zu geben. Dabei war es wichtig, so Katrin Schultze-Berndt, dass die vom Künstler angedachten Blickrichtungen der Brüder eingehalten werden mussten. 

Alexander von Humboldt, der Naturwissenschaftler und Forschungsreisende, blickt in Richtung Wasser als Synonym für die „Ferne“. Wilhelm von Humboldt, der universelle Geisteswissenschaftler, schaut auf die Bibliothek. In diesem Zusammenhang wurde auch die Tafel mit den japanischen Schriftzeichen, auf die er blickt, am Eingang der Bibliothek angebracht. Diese Schriftzeichen und die deutsche Übersetzung hat der Künstler Detlef Kraft dem Sprachforscher Wilhelm von Humboldt ins Buch geschrieben, das dieser in der Hand hält. Die Übersetzung lautet: Verweile in der Menschlichkeit, gründe dich auf Rechtlichkeit (Gerechtigkeit). 

Als die RAZ vor Ort Fotos der Skulpturen macht, betrachtet zuerst ein Paar die im Abendlicht strahlenden Figuren. Kaum sind sie weg, verweilen eine Mutter und ihre Tochter für einen Augenblick. Die Brüder haben ihren Platz gefunden.

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf