Montag, 30. Januar 2023
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Zuwachs an Lebensqualität

Zuwachs an Lebensqualität

Der Schlüssel ist riesig, er passt in kein Schloss. War ja auch nur ein symbolischer Türöffner, den Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Uwe Brockhausen, Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Gesundheit, Integration und Soziales, und Jörg Franzen, Vorstandsvorsitzender der Gesobau AG, für die Fotografen in den Händen hielten. Am 16. April war das der Fall, die offizielle Schlüsselübergabe für die Modulare Unterkunft für geflüchtete Menschen am Senftenberger Ring 37/39, kurz MUF genannt, ging über die Bühne. Die Gesobau hat als Bauherr ihre Schuldigkeit getan, die beiden Gebäude gehen in die Verantwortung des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) über. Der Mietvertrag zwischen Gesobau und LAF läuft zunächst über drei Jahre.

„Ich bin froh über jedes dieser Wohnhäuser, die die Möglichkeit bieten, die Menschen aus prekären Unterkünften herauszuholen“, sagte die Senatorin. „Hier haben die Menschen Privatsphäre, einen Zuwachs an Lebensqualität. Hier können sie sich darauf konzentrieren, ein neues Leben aufzubauen.“ Brockhausen freute sich, dass die Zeit der Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen endlich vorbei ist („hat viel zu lange gedauert“) und dass die Bauarbeiten ohne Havarien gut über die Bühne gegangen sind. „Aber damit endet es ja nicht. Wir haben noch eine Menge Arbeit zu leisten“, sagte der Stadtrat. Franzen nannte „Integration eine Gemeinschaftsaufgabe. Ich bin zuversichtlich, dass Integration gerade im Märkischen Viertel gut gelingen kann.“ Von außen sehen die beiden neuen Häuser, ein achtstöckiges und eines mit vier Etagen, schmucklos aus, aber die 109 Wohneinheiten in verschiedenen Größen für insgesamt 435 Menschen machen einen hervorragenden und hellen Eindruck. Davon konnten sich die Gäste am Montag der Vorwoche bei einem Rundgang überzeugen. Die Zugänge sind barrierearm. Badezimmer mit Dusche, Herd und Spüle in der Küche, Fußbodenheizung. Für die Möblierung wird das LAF sorgen. Balkone allerdings gibt es keine, die sind bei MUFs nicht vorgesehen. Aber wenn die Gebäude einer anderen Nutzung zugeführt werden sollten und vielleicht Studenten einziehen, können Balkone angebracht werden. „Die Vorrichtungen dafür sind vorhanden“, sagte Franzen.

Bis die ersten Menschen einziehen, wird es noch eine Weile dauern. Das kann erst passieren, wenn ein Betreiber gefunden ist. Oliver Rabitsch, der Integrationsbeauftragte in Reinickendorf, hat noch weiter reichende Pläne und will vor Ort eine Arbeitsvermittlung installieren. „Viele Firmen suchen Arbeitskräfte. Ich bin oft gefragt worden, warum in Turnhallen untergebrachte Flüchtlinge nicht arbeiten gehen. Wenn man sich aber vorstellt, wie es da zuging, kann man das leicht verstehen. Wir würden ja morgens schon nicht aus dem Haus gehen, wenn wir keinen Kaffee bekämen.“

Zwei weitere MUFs sollen im Bezirk noch entstehen. Eins in der Rue Montesquieue – und das andere? „Der Senat hält am Standort Waidmannsluster Damm 12-14 fest, was wir nach wie vor für falsch halten und was wir auch nicht verstehen. Wir haben zwei weitere Standorte als Alternative genannt“, sagte Uwe Brockhausen. „Das Gelände am Waidmannsluster Damm ist ein wichtiger Schulreservestandort, und der Betreiber des Wohnmobil-Parks hat einen längeren Mietvertrag.“ Den Pächter müsste die Senatsverwaltung schon herausklagen, und das könnte eine langwierige Geschichte werden. 

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf