Sport bedeutet „Lebensglück“

Tobias Dollase und Ex-Weltmeisterin Betty Heidler werben für Projekt an Schulen

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Bezirk/Tiergarten – Rampenlicht außerhalb des Hammerwurfrings ist ihr offenbar auch heute noch nicht ganz geheuer. Als Betty Heidler im Jugendgästehaus der Berliner Stadtmission an der Lehrter Straße unweit des Hauptbahnhofes für ein kleines Interview nach vorn gebeten wurde, changierte ihre Gesichtsfarbe kurz leicht ins Rötliche, sie war schlicht verlegen vor so vielen Gästen mit dem Mikrophon in der Hand. Die leichte Unsicherheit verflog aber schnell, als sie über ihre sportliche Karriere ins Plaudern kam. Die Hammerwurf-Weltmeisterin 2007 und Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 2012 in London erzählte von hartem Training ohne Discobesuch, über unterschiedliche Ernährung in der Trainings- und Wettkampfphase, von zittrigen Beinen bei großen Meisterschaften kurz vor dem ersten Wurf oder vom „Schlabberlook“ deutscher Olympioniken und Wollmützen bei Spitzensportlern aus der südlichen Hemisphäre beim gemeinsamen Essen im Olympischen Dorf. „Der Sport hat meiner eigenen persönlichen Entwicklung total gut getan, hat meinen Blick geöffnet für die Welt und andere Kulturen“, erzählte die inzwischen 34-jährige Marzahnerin, die nach einem vierten Platz bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 den Hammer an den berühmten Nagel hing und nun voll ihrem Beruf bei der Bundespolizei nachgeht.

Betty war der Stargast bei der Veranstaltung „Olympia ruft: Mach mit!“-Kick-Off am 30. November. Das Bewegungs- und Lernprogramm für Schulen & Kitas transportiert olympische Werte in möglichst viele Einrichtungen und soll dabei gezielt die Gesundheit der Kinder – aber auch von Erziehern und Lehrern – fördern. Das von der Techniker Krankenkasse (TK) finanziell unterstützte Programm ist inzwischen in mehr als 720 Schulen und Kitas bundesweit aktiv. Mit der Veranstaltung wollte man weitere Einrichtungen auf das interessante Angebot aufmerksam machen.

Auf teilnehmende Schulen und Klassen warten verschiedene, frei wählbare Programmbausteine. Die Teilnehmer erhalten zudem die kostenfreie „Olympia ruft: Mach mit!“-Box mit allen notwendigen Arbeitsmaterialien (Infos unter www.symbioun.de). Das Friedrich-Engels-Gymnasium in Reinickendorf hatte für sein besonderes Engagement im Juli dieses Jahres ein komplettes Sportfest „spendiert“ bekommen. Und an der Bertha-von-Suttner-Schule gab es am 16. November einen Gesundheitstag für die Lehrer. „Wir freuen uns, dass wir sogar Vertreter aus der Politik überzeugen konnten“, sagt Marjam Kadyrbekow, Projektleiterin und Coach beim in Gotha/Thüringen ansässigen Verein symbioun, neben der DOA Träger des Projekts „Olympia ruft: Mach mit!“.

Mit „Vertreter aus der Politik“ war der Reinickendorfer Bezirksstadtrat Tobias Dollase gemeint, der sich von Beginn an für das Projekt stark gemacht hat und der auch zu Gast im Jugendgästehaus war. „Sport bedeutet Lebensglück“, sagte der aus der Leichtathletik kommende Dollase, der nach wie vor Trainer bei der LG Nord ist. „Es geht um Teamgeist, und man lernt, auch mit Niederlagen umzugehen.“ Begeistert machte er das Aufwärmprogramm des Moderators Andi Schulze mit, der mit damit Lockerheit in die zunächst etwas eingeschüchtert wirkende Runde brachte. „Das hat uns doch einen positiven Drive gegeben, ich habe gesehen, wie man Bewegung in eine Sitzung bringen kann.“ Fast hatte es den Anschein, als wolle er das Aufwärmprogramm auch mal im Rathaus ausprobieren. Vielleicht sollten die Bezirksverordneten zur nächsten BVV ein trockenes Hemd zum Wechseln mitbringen.