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Montag, 17. Januar 2022
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Ehrenpreis fürs Ehrenamt

Ehrenpreis fürs Ehrenamt

Wittenau/Bezirk – Am 13. November hat das Bezirksamt bereits zum fünften Mal den Ehrenpreis an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise für Menschen mit Behinderung ehrenamtlich engagieren. Die von Bezirksstadtradt Uwe Brockhausen (SPD) initiierte Preisverleihung würdigt damit das Ansehen und den Stellenwert ehrenamtlicher Unterstützung in der Öffentlichkeit. Die Verleihung fand im BVV-Sitzungssaal im Rahmen des Behinderten- und Seniorenparlamentes statt. Eingeladen zu diesem hatte die Bezirksbehindertenbeauftragte Regina Vollbrecht. Zwei junge Musiker des „Kogan Trio“ spielten zwischen den Redebeiträgen Stücke für Violine und Violoncello, die für Momente vergessen ließen, dass unter der goldverzierten Gewölbedecke normalerweise Bezirkspolitik betrieben wird. „Mit den musikalischen Einlagen möchten wir auch unsere Wertschätzung für die heute zu Ehrenden ausdrücken“, erläuterte Stadtradt Brockhausen bereits zu Beginn der Veranstaltung. Der Saal war gut gefüllt mit älteren Menschen mit und ohne Behinderung. An diesem Nachmittag war es selbstverständlich, dass auch Rollstühle zwischen dem dunkel gebeizten und fest montierten Sitzungsmobiliar standen. Ein Gebärdendolmetscher übersetzte für Gehörlose. Der Preisverleihung gingen der Bericht des Stadtrates für Wirtschaft, Gesundheit, Integration und Soziales Uwe Brockhausen sowie der Beauftragten für Menschen mit Behinderung Regina Vollbrecht sowie dem Vorsitzenden der Seniorenvertretung Bernd Merken voraus. Ganz zum Schluss ihres Berichtes erwähnt Regina Vollbrecht einen „Personalwechsel“ in ihrem Büro: „Vielleicht haben einige schon bemerkt, dass ich nicht mehr von meinem schwarzen Königspudel Cooper begleitet werde, sondern von meiner weißen Pudelhündin Lee.“ Cooper sei jetzt im verdienten Ruhestand, ergänzt die blinde Frau und zaubert damit ein Lächeln auf viele Gesichter. Dann leitet sie über zur Verleihung des Ehrenpreises, der dieses Jahr an vier Menschen verliehen wird. Uwe Brockhausen hält die erste Laudatio auf Norma Geisler.

Die Preisträgerin lebt selbst seit ihrer Geburt mit einer Behinderung und ist auf den Elektrorollstuhl angewiesen. Obwohl die Anreise aus Karow für sie nicht einfach ist, besucht sie einmal pro Woche eine junge Frau, die seit zehn Jahren in der Spastikerhilfe in der Ollenhauerstraße lebt. Für Norma Geisler und die andern drei Preisträger gibt es nebst Händeschütteln und Applaus einen geschmackvollen Blumenstrauß, eine Ehrenurkunde und eine große Schachtel „merci“ sowie zwei Freikarten für das Märchenballett „Die Schöne und das Biest“ im Fontane-Haus.

Die ehrenamtliche Arbeit von Frank Völkel würdigt Regina Vollbrecht. Frank Völkel ist Geschäftsführer des Vereins Behinderten-Sport-Freunde Frohnau e.V. mit 180 Mitgliedern (die RAZ berichtete vor kurzem). In den 90er Jahren begann er dort als Übungsleiter. Auch heute springt er oft ein, wenn ein Übungsleiter ausfällt. Als die Turnhalle in der Invalidensiedlung wegen Baumängeln geschlossen werden sollte, hat er mit Hilfe des RBB Sponsoren aquiriert und Firmen organisiert für die Sanierung der Sporthalle. „Sie gestalten das Vereinsleben in herausragender Weise aktiv mit“, schließt Regina Vollbrecht.

Die dritte Preisträgerin ist Frau Ümit Langer. Sie ist in den 1960er Jahren als Gastarbeiterin aus der Türkei nach Berlin gekommen. Sie lebt seit 1969, als das Märkische Viertel gegründet wurde, in diesem Wohngebiet. Seit 2009 ist sie Senioren-Beirätin im Netzwerk Märkisches Viertel e.V. und setzt sich insbesondere für die Belange der wachsenden Zahl türkischer Seniorinnen und Senioren ein. Sie organisiert türkische Seniorenkreise und hilft so, der Vereinsamung entgegen zu wirken. „Sie bauen wichtige Brücken zwischen Generationen und Kulturen“ fasst es Uwe Brockhausen zusammen.

Die vierte Trägerin des Ehrenpreises ist Ingrid Kortleben, die seit zwei Jahren im Fürst-Donnersmarck-Haus in Frohnau ehrenamtlich sowohl die Bewohnerinnen und Bewohner als auch das Personal zuverläßig und liebevoll unterstützt. Sie begleitet engagiert verschiedenste Ausflüge. Außerdem gestaltet sie aktiv die alle zwei Wochen stattfindende Andacht mit. „Frau Kortleben, Sie selbst beschreiben, dass Sie durch diese Arbeit mit zum Teil sehr schwer beeinträchtigten Menschen gelernt haben, Berührungsängste abzubauen“, liest Regina Vollbrecht vor. Dieser Satz fasst das zusammen, was wir alle tun können.                                    

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