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Dienstag, 18. Januar 2022
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Senioren im Zeitalter der Digitalisierung

Senioren im Zeitalter der Digitalisierung

Berlin – „Senioren nutzen die Digitalisierung für sich“ oder „Skypen mit den Enkeln“ – die Tonlage der medialen Berichterstattung über den Stand der älteren Mitbürger im Zeitalter der Digitalisierung hat sich in den letzten Jahren geändert. Vor wenigen Jahren noch war der Tenor der Meldungen eindeutig alamierend: Die ältere Generation wird abgehängt und kann nicht mithalten beim rasanten Schritt, mit dem sich unser Leben verändert. Heute hingegen mehren sich die Meldungen, die Senioren hätten durchaus ihren Fuß in der Tür zur digitalen Welt.

Eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung mit dem Titel „Digitalisierung für mehr Optionen und Teilhabe im Alter“ diagnostiziert einen stetig steigenden Anteil von älteren Menschen, die online sind. Hauptmotoren dieser Entwicklung seien das Interesse, mit den modernen digitalen Kommunikationsmitteln den Kontakt mit der Familie zu halten und der Wunsch, auch bis ins hohe Alter noch möglichst lange selbstbestimmt wohnen, leben und aktiver Teil der Gesellschaft sein zu können.

Die Studie sieht die Digitalisierung und den demografischen Wandel, der eine Verschiebung in der Altersstruktur unserer Gesellschaft hin zu einem deutlich höheren Bevölkerungsanteil älterer Menschen aufweist, als die „Megatrends“ unserer Zeit. Diese Trends aber konfrontieren Gesellschaft und Politik mit Fragen, für die es offenbar noch keine einfachen Antworten gibt.

Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit ältere Mitbürger die sich unvermeidlich ändernden Gegebenheiten der digitalen Gesellschaft begrüßen und als Chance begreifen können. So erhielt die RAZ im September einen Leserbrief einer älteren Leserin, die davon berichtete, an U-Bahneingängen der Station Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik fehlten seit geraumer Zeit an den dafür vorgesehenen Stellen die Fahrpläne. „Um die Zeiten zu erfahren, muss man die Treppen beziehungsweise den Aufzug benutzen, weil es nur auf dem Bahnsteig möglich ist. Für alte Bürger ist dies sehr beschwerlich.“

Eine Veränderung, die ein jüngerer Mitbürger vielleicht nicht einmal wahrnimmt – ein Blick in die BVG-App oder den Google-Routenplaner auf dem Smartphone genügen, um die aktuellsten Fahrplaninformationen abzurufen –, kann für ältere Mitbürger ein ernstes Problem sein.

Oder wenn im Trend zum Onlinebanking die Berliner Sparkasse in diesem Jahr wieder neun Filialen in Berlin schließen (die RAZ berichtete) mag dies viele Jüngere, für die das Onlinebanking eine Selbstverständlichkeit ist, nicht weiter kümmern. So mancher Senior wird den gewohnten Gang zu seiner Bankfiliale vermissen und eine Filialschließung als den Verlust eines Stückes Lebensqualität empfinden. Die Reinickendorferin Christa Harms geht zwar hin und wieder online, Onlinebanking ist ihr aber nicht geheuer. „Das kommt für mich nicht in Frage“, erklärt sie entschieden, obwohl die nächste Bankfiliale am S-Bahnhof Hermsdorf für sie nicht gerade um die Ecke liegt. Was tun? „Ich schicke meinen Mann.“ Das ist auch eine Lösung.

Gefundene Standorte im Beitrag | Berlin, Reinickendorf