In Tegel stinkt’s zum Himmel

Die Früchte des Ginkgo-Baums riechen im Herbst wie Erbrochenes

636

Tegel – Ihre Blätter haben die Form kleiner, grüner Herzen oder Fächer, und er wurden einst von holländischen Seefahrern nach Europa mitgebracht. Die Rede ist von Ginkgo-Bäumen, die seit vielen Jahren auch einen Teil der Berliner Straße zieren. Doch alljährlich stinkt es im Herbst zum Himmel – und dafür verantwortlich sind die kleinen Früchte beziehungsweise die Samen des Baumes, die während ihrer Reifung einen Geruch von Buttersäure oder Erbrochenem abgeben.  Wer da im Restaurant seine Pizza oder sein Tortenstück genießen möchte, muss sich die Nase zuhalten.

Gepflanzt wurden die Bäume, die bis zu 1.000 Jahre alt werden können und als älteste lebende Fossile der Pflanzenwelt gelten, vor mehr als 30 Jahren in Zusammenhang mit einer Aktion von Ben Wagin. Der Aktionskünstler, Galerist und Umweltschützer, der sich mit seinen Projekten im Raum Berlin für den Erhalt der Natur und ein besseres Verhältnis und Verständnis des Menschen zur Natur und speziell zu den Bäumen einsetzt, hat von Moskau bis Vilshofen rund 50.000 Ginkgobäume gepflanzt. Die Bäume in Tegel waren der Anfang dieser Pflanzaktion.

Dabei konnte jedoch nicht festgestellt werden, ob die gepflanzten Bäume männlich oder weiblich sind. Die weiblichen tragen nämlich nicht nur das charakteristisch fächerförmige grüne Blatt, sondern auch ihre grünen, mirabellenartigen Früchte mit dem Nebeneffekt: der unangenehme Gestank.

Das Problem: Wenn die Bäume gepflanzt werden, weiß niemand, welche Pflanze männlich und welche weiblich wird. Das zeigt sich erst viel später, wenn die weiblichen Exemplare Früchte tragen. „Man müsse schon das Genom eines Samens durchpflügen, um das Geschlecht des Baumes vorab zu kennen“, sagt Hans-Albrecht Thrun von der Baumschule Lorenz von Ehren in Hamburg. Das aber sei aufwändig und teuer.

Die zerplatzten Früchte auf dem Bürgersteig bedeuteten außerdem ein „Sicherheitsrisiko“: Fußgänger könnten auf ihnen ausrutschen. Ganz zu schweigen vom Leid der Nachbarschaft, die sich jedes Jahr aufs Neue diesen Gestank am Schuh ins Haus trägt.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder die Forderung, die Bäume zu fällen. Doch dank einer Vereinbarung mit der BSR, die die Früchte täglich aufliest, konnte dies verhindert werden. red