Blutfette auch bei Kindern kontrollieren lassen

Familiäre Hypercholesterinämie wird häufig zu spät erkannt

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Bezirk – „Ein Statin? In dem Alter?“ Die Mitarbeiterin in einer kleinen Apotheke in Tegel verzog das Gesicht. Auch der Kinderarzt zeigte sich überrascht dass man bei diesen Werten schon behandele, berichtet die Reinickendorferin, die zum Schutz ihrer Familie ihren Namen nicht gedruckt sehen möchte. „Womöglich entgehen dem Arzt daher viele der kleinen Betroffenen und keiner klärt die Eltern auf“, sagt sie.

Tatsächlich finden sich im Internet und den Medien viele kritische Berichte. Zu hohes Cholesterin sei kein Problem und viele Statine würden mehr Nebenwirkungen als Nutzen bringen. Doch die Mutter des Neunjährigen ist besser informiert. Die Familie ihres Mannes ist bereits in vierter Generation von einer Krankheit betroffen, die jahrzehntelang unbemerkt wütet, ehe sie sich in Herzinfarkten und Schlaganfällen bemerkbar macht.

Die familiäre Hypercholesterinämie (FH) ist eine der häufigsten erblichen Fettstoffwechselerkrankungen und betrifft etwa einen aus einer Gruppe von 350 bis 500 Menschen. Gerade wenn sie nur von einem Elternteil vererbt wurde, bleibt die Störung oft sehr lange unerkannt. Allenfalls in der Familiengeschichte können gehäuft auftretende Herz-Kreislauferkrankungen und plötzliche Herztode einen Hinweis geben. Die Erkrankung führt zu einem erhöhten Wert des sogenannten LDL-Cholesterins im Blut, das dann im Laufe vieler Jahrzehnte allmählich mit anderen Risikofaktoren wie Lipoprotein, Rauchen und Übergewicht daran mitwirkt, Blutgefäße zu verschließen.

Es ist daher wichtig, diese Krankheit früh zu erkennen und konsequent zu behandeln, weshalb die Mutter bereits das Nabelschnurblut ihrer Kinder kontrollieren ließ. Schon damals war der LDL-Wert von einem der beiden Kinder auffällig und auch die Nachkontrolle mit fünf Jahren schoss mit über 170 mg/dl über den empfohlenen Wert von 130 mg/dl hinaus. Eine bewusst cholesterinarme Ernährung unter Verzicht auf Eier und tierische Fette senkt den Wert nur um etwa zehn Prozent, was bei FH-Betroffenen in der Regel nicht ausreicht.

Die Lipid-Ambulanz in der Charité am Virchow-Klinikum empfahl den Eltern des jungen Patienten daher auch umgehend ein Statin, das die Werte nun langsam normalisiert. „Die häufigen Blutabnahmen sind die größte Hürde bei der Kontrolle dieser Erkrankung“ sagt die Mutter, „Doch die Mühe müssen sich verantwortungsbewusste Eltern machen!“

Weitere Informationen zur FH unter www.cholco.org