Donnerstag, 19. Mai 2022
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Bei dir piept’s wohl!?

Bei dir piept’s wohl!?

Bezirk/Berlin – Naturliebhaber zählten Anfang Januar 60 Minuten lang Piepmätze bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“. Ergebnis: Unangefochten auf Platz eins landete bei der Zählung wie immer der Spatz. Gezählt wurden in einer Stunde mehr als 22.000 Exemplare. Auf Platz zwei flog die Kohlmeise, dicht gefolgt von der Blaumeise. Bei den Amseln war ein Rückgang von elf Prozent zu beklagen. Wie ist es allgemein um die Vögel in Berlin bestellt, und was lässt sich für einen guten Lebensraum tun? Die RAZ hakte bei dem in Reinickendorf lebenden Nabu-Experten Lars Lachmann einmal nach.

Bei der „Stunde der Wintervögel“ werden die Vögel im städtischen Bereich gezählt. Sind das nicht die Arten, die so zahlreich sind, dass man ohnehin alles über sie weiß?

Die Häufigkeit von Vogelarten sagt nichts darüber aus, wieviel über sie bekannt ist. Gerade viele professionelle Vogelforscher stürzen sich oft auf die besonders seltenen Vogelarten, von denen oft viel mehr bekannt ist als von häufigeren Arten. Bei unserer Aktion konzentrieren wir uns auf die Vögel in unseren Gärten und Parks, denn das sind die Vögel, die uns tagtäglich begegnen, die Vögel unserer eigenen Lebenswelt. Sie sind damit für die meisten von uns die wichtigsten Vögel. Und auch bei diesen Arten müssen wir genau hinschauen, um festzustellen, ob es ihnen gut geht, oder ob sie Probleme haben.

In Berlin werden in den Außenbezirken immer mehr Wildtiere wie Wildschweine, Füchse oder Waschbären heimisch. Wie sieht das bei den Vögeln aus?

Auch bei vielen Vogelarten gibt es eine Tendenz zur Verstädterung. Das liegt daran, dass sich die Lebensbedingungen für viele Arten in der Stadt besser entwickeln als in der freien Landschaft. Insbesondere Waldvögel kommen vermehrt in Städte wie Berlin, weil die Zahl und Größe der Bäume in unseren Gärten seit Jahrzehnten immer weiter ansteigt. Der Habicht ist das beste Beispiel: Dieser eigentlich heimliche Waldvogel hat inzwischen nirgends auf der Welt ein dichteres Vorkommen als innerhalb Berlins.  

Was können Vogelfreunde tun, um den Vögeln in Berlin einen guten Lebensraum zu schaffen?

Am wichtigsten ist es zu verstehen, dass unsere Gärten und Hinterhöfe für viele Vögel ein zunehmend wichtiger Rückzugsort sind, weil es ihnen besonders im landwirtschaftlichen Raum nicht mehr gut geht. Es lohnt sich also, unsere Gärten als kleine Naturschutzgebiete zu begreifen. Hier kann jeder dafür sorgen, dass sich möglichst viele Vögel wohlfühlen. In einem naturnahen Garten sollten möglichst einheimische laubtragende Bäume und Büsche stehen, weniger exotische Nadelbäume oder immergrüne Kirschlorbeeren oder Rhododendren. Auf keinen Fall sollte Gift verwendet werden. Je mehr samentragende Kräuter oder Beeren im Garten stehen, desto mehr Nahrung gibt es für die Vögel. Zusätzlich kann man natürlich mit Nistkästen für Höhlenbrüter wie Meisen, Sperlinge oder Stare nachhelfen. 

Vielen Dank für das Gespräch.

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